Mit Franken- und Yen-Darlehen konnte man sich bisher eine Menge an Zinsen ersparen. Der aktuelle Zinsvorteil ist allerdings bescheiden - die Kredite werden dadurch weniger attraktiv.
Wien/Ker. Er war das wichtigste Argument, um einen Franken- oder Yen-Kredit aufzunehmen: der Zinsvorteil. In der schweizerischen oder japanischen Währung waren die Zinsen jahrzehntelang deutlich niedriger als beim Euro (bzw. Schilling). Wenn sich die Kreditnehmer in der fremden Währung verschuldet haben, konnten sie sich also eine Menge an Zinsen ersparen.
Der Zinsvorteil hat auch in den vergangenen Jahren, also während der Finanzkrise, als Argument hergehalten. Seit damals hat nämlich der Euro zum Franken und Yen stark an Wert verloren. Das ließ die Kreditschulden der Franken- und Yen-Darlehen ansteigen, die Kunden erlitten seit damals hohe (Buch-)Kursverluste. Aber ein Umstieg auf einen Eurokredit war für viele Kunden keine Option. Erstens hätte man die Kursverluste realisiert. Und man hätte für immer auf die billigen Zinsen im Franken und Yen verzichtet.
Aktuell schaut die Zinslage aber gar nicht mehr so rosig aus für die Fremdwährungskredite. Der Zinsvorteil ist in den vergangenen Monaten immer geringer geworden. So gering, dass er zumindest derzeit kein schlagendes Argument bietet.
•Schweizer Franken: Der schweizerische Referenzzinssatz CHF-Libor (3 Monate), an den viele Franken-Kredite gebunden sind, steht derzeit bei knapp 0,11 Prozent. Der Euribor (3 Monate), relevant für viele Eurodarlehen, nahm zuletzt kontinuierlich ab. Seit Jahresbeginn hat er sich von knapp 1,40 auf 0,69 Prozent halbiert. Das heißt, der Zinsunterschied zwischen Euro und Franken macht aktuell nur mehr knapp 0,6 Prozentpunkte aus. Was bedeutet das für die Praxis? Bei einem Kredit im Wert von 100.000 Euro erspart man sich im Franken monatlich nur rund 50 Euro (bei einer Kreditmarge von 1,5 Prozent). Das ist sehr bescheiden im Vergleich zu den vergangenen Jahren. Vor 2009 ersparte man sich im Franken teilweise über 200 Euro monatlich.
•Japanischer Yen: Im Yen steht der 3-Monats-Zinssatz fest bei knapp unter 0,2 Prozent. Der Zinsunterschied zum Eurozinssatz Euribor macht damit rund 0,5 Prozentpunkte aus. Die Yen-Kreditnehmer ersparen sich damit nur rund 40 Euro monatlich.
Bleibt die Frage: Sollen die Franken- und Yen-Kreditnehmer bald wieder darauf hoffen, dass die Zinsen auseinandergehen, und den Fremdwährungskredit behalten? Zumindest mittelfristig scheint es keine großen Hoffnungen auf deutliche Zinssprünge zu geben. Vor allem nicht, wenn man die Aussagen des belgischen Notenbankchefs Luc Coene liest. Der sagt, dass für dieses Jahr kein Inflationsrisiko bestehe und die Europäische Zentralbank (EZB) die rekordniedrigen Zinsen noch weiter senken könnte.
Damit spricht ein Notenbanker aus, was viele Ökonomen prognostizieren: Dass sich die EZB verstärkt an den wirtschaftlich schwächeren Eurostaaten orientieren muss und die Zinsen lange tief hält, um diese maroden Länder wirtschaftlich nicht noch weiter abzuwürgen. Die Aussicht, dass die EZB den Leitzins für längere Zeit tief hält bzw. sogar senken könnte, drückt auch die Geldmarktzinsen (zu diesen Zinssätzen leihen die Banken einander kurzfristig Geld, Anm.) nach unten. Der Euribor ist dabei der Referenzzinssatz am Geldmarkt der Eurozone, an den viele Eurokredite gebunden sind. Wenn also der Euribor weiter zurückgeht, werden auch die Fremdwährungskredite unattraktiver, da deren Zinsvorteil abnimmt.
Hohe Kursverluste
Für die Franken- und Yen-Kreditnehmer wird das zum Problem. Viele haben in den vergangenen Jahren hohe Kursverluste erlitten. Sie haben das auch in Kauf genommen, da sie deutlich weniger Zinsen in den fremden Währungen zahlen mussten. Ein Beispiel: Wer Anfang 2000 ein Franken-Darlehen im Gegenwert von 100.000 Euro aufnahm, hat sich bisher gegenüber einem Eurokredit 17.000 Euro an Zinsen erspart. In der Zwischenzeit verlor allerdings der Euro zum Franken stark an Wert. Damit entstanden Kursverluste von rund 33.000 Euro. Besser haben es die Yen-Kreditnehmer. Wer sich nämlich Anfang 2000 zu 100.000 Euro im Yen verschuldete, ersparte sich mehr als 34.000 Euro an Zinsen. Die Kursverluste machen bisher aber nur rund 6000 Euro aus.
Den Kreditnehmern muss klar sein, dass die aktuell „ungünstige Zinssituation“ bei den Fremdwährungskrediten nur eine Momentaufnahme ist. Die Zinsen können über die Jahre wieder auseinandergehen. Daran hat etwa die Schweizer Nationalbank (SNB) ein Interesse. Wenn die Eurozinsen deutlich höher liegen als jene in der Schweiz, gehen die Investoren wohl wieder vermehrt in die Eurozone zurück. Das ließe den Wert des Euro gegenüber dem Franken ansteigen, würde die Schweizer Wirtschaft entlasten, aber auch die Lage für Kreditnehmer verbessern.
Was Sie beachten sollten bei... Kreditzinsen
Tipp 1
Zinsersparnis im Franken. Wer Anfang 2000 im Schweizer Franken einen Kredit im Gegenwert von 100.000 Euro aufnahm, hat sich dank der geringeren Franken-Zinsen bisher rund 17.000 Euro an Zinsen erspart. Allerdings hat der Kreditnehmer durch den Euroabsturz einen (Buch-)Kursverlust von mehr als 30.000 Euro erlitten. Der aktuelle Zinsvorteil macht diesen Kursverlust nicht wett.
Tipp 2
Geringer Zinsvorteil. Die Eurozinsen sind momentan sehr gering, der Leitzins ist auf einem Rekordtief von einem Prozent. Daher macht der Zinsvorteil des Schweizer Franken zum Euro derzeit weniger als 0,6 Prozentpunkte aus. Bei einem 100.000-Euro-Kredit erspart sich der Kunde im Franken aktuell nur rund 50 Euro im Monat. Bei einem Yen-Kredit erspart er sich nicht mehr als rund 40 Euro monatlich.
Tipp 3
Yen-Kredite. Die Situation ist für die Yen-Kreditnehmer besser. Wer sich Anfang 2000 im Yen verschuldete, erlitt bisher einen (Buch-)Kursverlust von etwa 6000 Euro. In der Zwischenzeit hat sich der Kunde aber deutlich mehr als 30.000 Euro an Zinsen erspart. Der Fremdwährungskredit war damit ein sehr gutes Geschäft. Doch im Yen ist der Zinsvorteil gegenüber dem Euro zuletzt sehr gering geworden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2012)