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"Märkte stellen sich auf Euro-Austritt der Griechen ein"

Maerkte stellen sich EuroAustritt
(c) EPA (MARC MUELLER)
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Bei der Krisen-Bekämpfung fehlt jede Strategie, der Euro fällt auf 1,2643 Dollar. Die deutsche Bundesanleihe boomt: "Es geht nur noch um Sicherheit".

Die Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone hat die Stimmung am Renten- und Devisenmarkt zum Wochenausklang weiter getrübt. Der Euro fiel am Freitag bis auf 1,2643 Dollar; so günstig war er seit Mitte Jänner nicht mehr. Die Skepsis der Investoren wurde weiter angeheizt von der Herabstufung Griechenlands durch die Ratingagentur Fitch. Deren Analysten begründeten das neue Langfrist-Rating CCC (vorher: B-) mit der Gefahr, dass das Land die Eurozone verlassen könnte. Auch für die angeschlagenen spanischen Banken gab es neue Krisenschlagzeilen: die Ratingagentur Moody's stufte 16 Institute herunter.

"Der Euro kann in dieser Gemengelage kaum einmal durchatmen", schrieb die Commerzbank in einem Kommentar. "Das schon deswegen nicht, weil noch immer eine generelle Strategie zur Bekämpfung der Krise fehlt." Die Europäische Zentralbank (EZB) halte zwar das Feigenblatt einer strengen, risikoorientierten Notenbank von Zeit zu Zeit hoch, wie das Ausschließen einiger griechischer Banken zeige. Tatsächlich sei das aber völlig unwirksam, weil auch diese Banken weiter mit Liquidität aus dem Europäischen System der Zentralbanken (ESZB) versorgt würden; nur inzwischen über den Umweg der Emergency Liquidity Assistance (ELA) der griechischen Notenbank.

"Märkte ergeben sich ihrem Schicksal"

"Die europäischen Märkte scheinen sich ihrem Schicksal zu ergeben und stellen sich auf die Folgen eines Euro-Austritt Griechenlands ein", sagte Hedge-Fonds-Manager Lex van Dam von Hampstead Capital. "Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass die EZB eingreifen wird, bevor die Situation eskaliert." Andere hielten dagegen. Die Zentralbank könnte zwar eine neue Geldspritze überlegen oder wieder verstärkt Anleihen der schuldengeplagten Euro-Länder kaufen. "Aber wirklich gebracht hat das bisher ja auch nichts", sagte ein Händler.

Ein Vorschlag von Ex-EZB-Chef Jean-Claude Trichet zur Rettung des Euro ging in der Krisenstimmung fast unter. Er hat angeregt, dass die EU-Staaten im Extremfall ein Land für bankrott erklären und seine Haushaltspolitik übernehmen. Dazu sollte es dann kommen, wenn die Fiskalpolitik des Landes die Währungsunion als ganze gefährde. Trichet nannte es eine "Förderation in Ausnahmefällen".

Spanien besonders ansteckungsgefährdet

Am Markt fand das zunächst kaum Beachtung. Hier wurden vielmehr Konsequenzen eines zunehmend realistisch gesehenen Szenarios durchgespielt, dass Griechenland den Euro als Währung aufgeben könnte. Und da wurde vor allem Spanien als besonders ansteckungsgefährdet empfunden. Die Renditen auf zehnjährige Anleihen aus Madrid lagen weiterhin deutlich über der kritischen Sechs-Prozent-Marke, die Risikoaufschläge zur vergleichbaren Bundesanleihe stiegen nach Daten von Tradeweb um neun auf 500 Basispunkte. Selbst zweijährige Anleihen rentieren inzwischen mit 4,3 Prozent.

Im Schlepptau von Griechenland und Spanien stiegen auch die Zweifel gegenüber der italienischen Reformfähigkeit. Zehnjährige Anleihen aus Rom rentierten knapp unter sechs Prozent, der Risikoaufschlag zur Bundesanleihe lag bei 465 Basispunkten.

"Es geht nur noch um Sicherheit"

Profiteure der unübersichtlichen Gemengelage waren wieder einmal die Bundesanleihen. Der richtungsweisende Bund-Future stieg erneut auf ein Rekordhoch von 144,06 Zählern. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel auf ein Rekordtief von 1,396 Prozent. Auch die Rendite kurzlaufender und 30-jähriger Papiere fiel auf Rekordtiefs.

"Die Investoren sagen sich, Deutschland wird wohl seine Schulden zurückzahlen, und deshalb kaufen sie weiter die Anleihen. Rendite ist völlig egal, es geht nur noch um Sicherheit", erklärte ein Händler den Ansturm.

(Ag.)