Wienerlied auf persisch

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Kulturvermittlerin Nuschin Vossoughi feiert heuer zehn Jahre Theater am Spittelberg – und bringt den Wienern als gebürtige Perserin Wienerlieder und Volksmusik näher. Ein Cityguide.

Diese Frau strahlt. Vielleicht deshalb, weil Nuschin Vossoughi, statt lang darüber nachzudenken, was alles nicht geht, Dinge einfach macht. Dinge, die, nachdem die gebürtige Perserin sie in die Hand genommen hat, selbstverständlich wirken. Das war beim Metropol in Hernals so, beim A-cappella-Festival Voicemania, bei der Konzertreihe „Wien im Rosenstolz“ oder beim Theater am Spittelberg. Vossoughi, die in der Kulturszene „die Nuschin“ genannt wird, widmet sich seit den 80er-Jahren Musik, die ihr „Herz berührt“. Anders kann auch sie selbst die musikalische Vielfalt nicht zusammenfassen. Das wird auch bei dem heurigen 10-Jahres-Fest des Theaters am Spittelberg deutlich, wenn die komplette Bandbreite aufspielt: von afrikanischen Rhythmen über persische Gesänge bis zum Wienerlied und ihrer neuesten Leidenschaft, der Volksmusik.


Volksmusik löst Wienerlied ab. Denn geht es nach der Nuschin, ist die Volksmusik gerade dabei, dem beliebten Wienerlied zu folgen. „Das Wienerlied hat den Höhepunkt erreicht. Aber die Volksmusik ist gerade stark im Kommen. Die Freude, mit der die Musikanten spielen, ist einfach unglaublich“, sagt Nuschin, während sie stolz durch „ihr“ schlichtes, charmantes Theater am Spittelberg führt. In der Garderobe angelangt, meint sie: „Da sieht man, auf wie viel man verzichten kann. Die Künstler fühlen sich hier sehr wohl.“

Nicht nur bei den Räumlichkeiten ist sie es gewohnt, sich in Verzicht zu üben. Auch sonst sind ihre finanziellen Mittel, mit denen sie Kunst und Kultur am liebsten direkt auf die Straße bringt, dünn gesät. „Ich werde immer gefragt, warum ich mir das antue. Das macht mich traurig. Immerhin bewege ich jeden Sommer 25.000 Menschen in dieser Stadt.“

Zu ihren städtischen Lieblingspunkten zählen die Balkone – etwa jener des Herrenausstatters Knize am Graben. Dort wird ebenso wie am Kohlmarkt und bei der Peterskirche jährlich das A-cappella-Festival Voicemania mit Gesangseinlagen eröffnet. Das Projekt Balcanto ist Nuschin besonders ans Herz gewachsen. Am liebsten würde sie das nicht nur in der ganzen Innenstadt, sondern auch in Salzburg, Innsbruck oder Graz veranstalten. „Die Leute lieben das, bleiben stehen und fotografieren. Auch die Sänger sind ganz begeistert.“ Anders sieht das hingegen Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel. Heuer soll es deshalb keine Förderung dafür geben. Die Kulturvermittlerin lässt das relativ kalt, sie mobilisiert stattdessen die Geschäftsleute. Immerhin wissen die den Werbewert der Aktion zu schätzen.

Weiter geht es zu ihrem Lieblingslokal, dem persischen Restaurant Pars. Denn obwohl sie seit ihrem achten Lebensjahr in Wien lebt, fühlt sich die Nuschin als „waschechte Perserin“. Im Sommer lässt sie regelmäßig eine große Tafel vor ihrem Theater aufbauen und lädt ihr Team auf Köstlichkeiten aus dem Pars ein. „Als Entschädigung dafür, dass wir immer den Leuten im Gastgarten beim Essen zuschauen müssen, während wir arbeiten.“

Auch mit dem Theater am Spittelberg hat Nuschin Pläne. Sie will nicht nur die Spielzeiten des als Sommertheater konzipierten Hauses ausweiten – am liebsten auf April bis Dezember. „Ich würde gerne im April das Haus öffnen und junge Gruppen spielen lassen, bei freiem Eintritt.“ Nuschin – die, wie sie betont, ohne Lobby und ohne Netzwerk arbeitet – ist überzeugt davon, dass auch das irgendwie klappen wird. „Ich werde wieder fragen, wieder jammern und wieder antworten, warum ich das mache. Aber am Ende werde ich das durchziehen.“

1. Juni: Eröffnungsfest und 10 Jahre Theater am Spittelberg

DIE TOUR

Theater am Spittelberg (1). Seit zehn Jahren leitet Nuschin Vossoughi das Sommertheater.

Knize (2). Auf dem Balkon des Herrenausstatters Knize am Graben lässt Vossoughi das Festival Voicemania mit Gesangseinlagen eröffnen.

Restaurant Pars (3).
Die „waschechte Perserin“ ist Stammgast in dem persischen Lokal.

Konzertcafé Schmid Hansl (4). Die Konzertreihe „Wien im Rosenstolz“ beim Schmid Hansl gibt es für Wienerlieder und Volksmusik.

Clemens Fabry

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.05.2012)

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