Die Krisenländer konsolidieren kräftig und werden auch wieder wettbewerbsfähiger. Einen Austritt Griechenlands könnte die Eurozone mittlerweile verkraften, sagt das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln.
Berlin. Nicht wenige Ökonomen haben die Eurozone schon abgeschrieben. Aber auch unbeirrte Optimisten wie die Volkswirte vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln haben gute Argumente in der Hand. Ihre Daten zeigen: Ungeachtet der tristen Wirtschaftslage haben die südeuropäischen Krisenländer wichtige Fortschritte gemacht. So ist das strukturelle, also konjunkturunabhängige Defizit seit 2009 in allen „Olivenländern“ deutlich zurückgegangen.
Dieser Erfolg wird leicht übersehen, weil die tatsächlichen Budgetdefizite ja auch von der Konjunkturentwicklung abhängig sind. Und diese wurde zu optimistisch eingeschätzt: Statt des erwarteten leichten Wachstums steckt Südeuropa in der Rezession fest.
Dabei sind die Krisenländer dabei, ihre Wettbewerbsfähigkeit wiederzugewinnen: Die Handelsbilanzdefizite haben sich in den letzten Jahren deutlich reduziert (mit Ausnahme von Italien, das hier aber nie ein großes Problem hatte). Die Exporte legen kräftig zu, was zu leichten Marktanteilsgewinnen im Welthandel führt.
Kritik am Geldsegen der EZB
Dahinter stehen gar nicht sehr große Anpassungen der Löhne und Preise im Vergleich zu wichtigen Mitbewerbern wie Deutschland. Nach der reinen Lehre müssten in den Krisenländern die Löhne um 20 oder gar 30 Prozent sinken, damit ihr Angebot wieder attraktiv wird. Eine solche „innere Abwertung“ würden die Bürger nicht akzeptieren – ein wichtiges Argument der Eurogegner. Doch die Wirklichkeit scheint in diesem Fall erfreulicherweise „komplexer zu sein als die Lehrbuchweisheit“, resümiert IW-Köln-Chef Michael Hüther.
Dennoch ist die Gefahr eines „Teufelskreises“ von Sparen und Rezession nicht gebannt, weil sich der Binnenmarkt nicht erholt. Die Empirie zeigt: Während bei guter Konjunktur eine Budgetkonsolidierung das Wachstum beflügeln kann, verstärkt sie in rezessiven Phasen zumindest auf kurze Sicht den Abschwung. Deshalb empfiehlt das Institut eine zeitliche Streckung der EU-Budgetvorgaben bis 2014, um den betroffenen Volkswirtschaften Luft zum Atmen zu verschaffen.
Schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme oder der Geldsegen der EZB führe aber sicher nicht zu nachhaltigem Wachstum. Gerade durch zu viel zu billiges Geld, das keine sinnvollen Investitionsmöglichkeiten gefunden hat, sei die Krise erst entstanden, befindet das Kölner Institut. Vielmehr floss das Geld in einen überzogenen Bauboom in Spanien und in den Konsum in Griechenland.
Trotz der im Detail hoffnungsvolleren Zahlen bleiben die Renditen für südeuropäische Staatsanleihen hoch. Das hängt laut Hüther auch damit zusammen, dass die angelsächsischen Pensions- und Hedgefonds nicht an die Überlebensfähigkeit des Europrojekts glauben. Fast täglich hören sie von Ökonomen wie Paul Krugman oder Nouriel Roubini, dass die falsch konstruierte Währungsunion zum Scheitern verurteilt sei.
Stimmung könnte "kippen"
Ist der Untergang des Euro damit eine sich selbst erfüllende Prophezeiung? Das müsse nicht so sein, hofft Hüther. Mit jedem Tag, den die Währungsunion unbeschadet überlebt, wächst auch die Chance, dass die Stimmung ins Positive „kippt“ – Anfang des Jahres sah es schon fast danach aus.
Doch dann kochten die Sorgen um Griechenland wieder hoch. Ein Austritt der Hellenen aus der Eurozone sei nun „verkraftbar“, aus Sicht der Finanzmärkte vielleicht sogar ein „Befreiungsschlag“. „Jetzt könnte man die Griechen gehen lassen“, da die Euro-Schutzschirme samt ihrer Mechanik an Bedingungen und Gegenleistungen aufgespannt sind und damit Ansteckungseffekte zumindest abmildern. Das Land selbst würde freilich bei einem Austritt in ein „Chaos“ versinken, fürchtet der deutsche Ökonom.