Europa liebt das „einnahmenseitige Sparen“ – die Krise wird also noch länger dauern.
Mehr als die jüngste Eurostat-Studie über die europäischen Steuertrends (siehe unten stehenden Artikel) muss man nicht kennen, um zu sehen, was in Europa derzeit schiefläuft: Heuer, mitten in der schwersten Staatsschuldenkrise seit Jahrzehnten, planen die europäischen Länder Einsparungen von gerade einmal 0,5 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung. Allein die Verwaltungsineffizienzen, die eine beherzte Politik ganz locker ohne „Grausamkeiten“ beseitigen könnte, wenn sie wollte, betragen ein Vielfaches davon.
Die Staatseinnahmen werden wegen zahlreicher Steuererhöhungen dagegen fast doppelt so schnell wachsen wie dieses Einsparungsvolumen. Das nennt man dann wohl „kaputt sparen“.
Mit anderen Worten: Nicht nur in Österreich, in ganz Europa wird überwiegend „einnahmenseitig gespart“. Ein Konzept, das noch nirgends funktioniert hat und nie funktionieren wird. Jeder, der nur halbwegs bei Trost ist und zumindest eins und eins zusammenzählen kann, weiß, dass es sinnlos ist, ins Fass oben immer mehr hineinzuschütten, solange die Löcher unten nicht gestopft sind.
Fast alle: Die überwiegende Zahl der Euro-Regierungen und deren vulgärkeynesianistische Einflüsterer haben das noch nicht geschnallt. Wir sind vom Ende der Krise also noch sehr weit entfernt.
josef.urschitz@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.05.2012)