Hypo Alpe-Adria vertuschte Bilanzproblem 2004 - sie hätte damals frisches Geld gebraucht. Dem Land droht Rückabwicklung der 500-Millionen-Anleihe und Nachschusspflicht.
Wien/Klagenfurt. Die Hypo Alpe-Adria gerät wegen der Spekulationsverluste immer tiefer in die Misere: Wie aus den veröffentlichten Jahresabschlüssen hervorgeht, verfügte die Bank Ende 2004 nicht mehr über das gesetzlich vorgeschriebene Mindestkapital. Statt dieses Problem zu bereinigen - etwa durch eine Kapitalspritze der beiden Eigentümer Land Kärnten und Grazer Wechselseitige -, wurde es vertuscht.
Es wurden 2004 nur 40 Millionen Euro abgeschrieben, die restlichen 288 Millionen Euro, die bei Swap-Geschäften verspekuliert worden waren, sollten laut Hypo-Chef Wolfgang Kulterer auf mehrere Jahre verteilt werden. Der Verlust hätte aber, bestätigen der "Presse" namhafte Bilanzierungs-Experten, laut Gesetz schon in der Bilanz 2004 komplett abgeschrieben werden müssen.
Kapitalspritze nötig
Die falsche Bilanzierung flog jetzt auf, weil der Wirtschaftsprüfer Deloitte den Bestätigungsvermerk für die 2004er-Bilanz zurückzog und den Aufsichtsrat der Bank sowie die Finanzmarktaufsicht (FMA) informierte.
Die Bilanz 2004 der Kärntner Hypo wird nun neu erstellt. Experten gehen davon aus, dass die Bank nicht nur stille Reserven mobilisieren, sondern auch eine Kapitalspritze brauchen wird.
Das bringt vor allem Landeshauptmann Haider in Bedrängnis. Er hat sich bereits in Form einer Wandelanleihe 500 Millionen Euro "Vorschuss" auf den Erlös des nun wackelnden Hypo-Börsengangs gesichert. Ein Teil des Geldes wurde für den sogenannten "Zukunftsfonds" bereitgestellt. Weil die Bilanz 2004 nicht stimmt, könnten nun die Banken, Fonds und Versicherungen, die die Wandelanleihe zeichneten, eine Rückabwicklung verlangen. Sie könnte ebenso wie eine Kapitalspritze für die Bank das Land viele Millionen kosten.
Bereinigt die Hypo ihr Bilanzproblem nicht, kann die FMA drakonische Maßnahmen bis hin zur Geschäftsleiterenthebung oder der Einsetzung eines Regierungskommissär verfügen.
Falsche Bilanzierung
In der Konzernbilanz der Bank lagen die Eigenmittel (das von den Eigentümern bereitgestellte Kapital plus ein Teil der Rücklagen _ also der Risikopuffer einer Bank) zu Ende 2004 um rund 150 Millionen Euro über dem gesetzlich geforderten Mindestmaß. Wäre der komplette Verlust abgeschrieben worden, wären die Eigenmittel um gute 130 Millionen Euro zu niedrig gewesen.
Noch weit schlimmer sieht es bei der Tochtergesellschaft Hypo Alpe-Adria Bank International AG, aus, die für das Swap-Geschäft verantwortlich war: Hier lagen die Eigenmittel in der Bilanz nur bei 470 Millionen Euro. Bei korrekter Bilanzierung wäre ein Großteil des Eigenkapitals aufgezehrt worden.
Kulterer hatte am Freitag eine über Jahre verteilte Abschreibung der Verluste verteidigt. Am Dienstag war er für eine Stellungnahme plötzlich nicht zu erreichen.
Großes Risiko
Wie stark sich die Bank mit Spekulationen exponiert hat, zeigt deren Engagement im Swap-Geschäft: Ende 2004 hatte die Hypo riskante Swap-Geschäfte im Volumen von 18,4 Milliarden Euro "draußen". Das außerbilanzielle Swap-Geschäft war damit größer als die Bilanzsumme der Bank.