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Ein billiger „Geuro“ für die Griechen

Griechen
(c) AP (Petros Giannakouris)
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Die Deutsche Bank hat ein Modell entwickelt, wie Griechenland eine Parallelwährung einführen könnte. Diese würde der Regierung in Athen vorerst Liquidität verschaffen und eine Rückkehr in den Euro ermöglichen.

Frankfurt. Langsam wird es konkret. Noch dominiert zwar in der politischen Führung der Euroländer die Durchhalteparole: Griechenland müsse in der Währungsunion gehalten werden. Doch mit den Neuwahlen am 17.Juni könnten sich die Voraussetzungen dafür dramatisch ändern. Kommt nämlich in Athen eine neue Regierung an die Macht, die sich vom Sparprogramm verabschiedet, kann das Land nur noch über das Risiko eines völligen politischen und ökonomischen Glaubwürdigkeitsverlusts der Kreditgeber im Euro gehalten werden. Zu erwarten ist deshalb eher, dass die Geldgeber ihre Zahlungen einstellen und Griechenland die Eurozone verlassen muss.

Ein Schritt mit schwerwiegenden Konsequenzen, wie die Deutsche Bank in einer neuen Studie warnt. Es käme zu einem Sturm auf die Banken, einem Kollaps des Wirtschaftssystems und zu schweren sozialen und politischen Spannungen. Als Alternative schlägt der Chefvolkswirt der Bank, Thomas Mayer, deshalb die vorübergehende Einführung einer griechischen Parallelwährung, den „Geuro“, vor. Er soll den goldenen Mittelweg zwischen Totalaustritt des Landes und einer Schuldeneskalation in Europa ermöglichen.

Das Modell geht davon aus, dass die griechische Regierung neue Schuldscheine ausgibt, die zur Basis einer neuen Währung neben dem Euro werden. Mayer erklärt gegenüber der „Presse“, dass diese Scheine mit großer Wahrscheinlichkeit von jenen genutzt würden, „die dringend Zahlungsmittel benötigen“. Stellen die internationalen Geldgeber ihre Zahlungen ein, könnte die griechische Regierung auch ihre sonstigen Ausgaben (Gehälter, Sozialleistungen etc.) über diese neue Währung abwickeln. So käme das neue Parallelgeld immer stärker in Umlauf. Die Deutsche-Bank-Studie geht davon aus, dass bald auch viele Löhne und andere Zahlungen in „Geuro“ abgewickelt würden. Ob dies in der Praxis funktioniert, ist allerdings fraglich. Die beiden Wirtschaftsexperten Bernd Lucke und Manfred J.M. Neumann präsentierten zuletzt ein ähnliches Modell in einem Beitrag für das „Handelsblatt“. Sie schlugen vor, dass eine griechische Parallelwährung zum Euro gesetzlich verpflichtend zur Hälfte bei jeder Finanztransaktion Anwendung finden müsste. Der Vorteil des Modells wäre jedenfalls, dass die Sparguthaben der Griechen weiterhin in Euro verbleiben könnten. Es käme zu keinem radikalen Schnitt, der das Eigentum der Bevölkerung reduzierte. Allerdings würde eine solche Parallelwährung den Wert der Löhne mindern. Gleichzeitig würden aber auch inländische Waren günstiger.

Die Parallelwährung könnte von der Regierung nach Belieben abgewertet werden. Es sei zu erwarten, so heißt es von der Deutschen Bank, dass der „Geuro“ bald etwa die Hälfte des Euro wert wäre. Dies würde die Wettbewerbsfähigkeit griechischer Dienstleistungen und Exportgüter auf dem europäischen Binnenmarkt deutlich erhöhen. Damit würde beispielsweise Griechenland als Reiseziel für Urlauber aus anderen EU-Ländern wieder attraktiver. Und der „Geuro“ hätte in dieser Konstruktion noch einen weiteren Vorteil: Sobald die Regierung in Athen ihre Schulden wieder in den Griff bekommen hat, könnte sie die neue Währung wieder einziehen. „Sie könnte sogar völlig zurückkehren, indem sie die Geuro gänzlich gegen Euro zurückkauft“, heißt es im Deutsche-Bank-Papier.

Ein Pferdefuß des Modells sind die griechischen Banken, die bei einer solchen Restrukturierung der griechischen Staatsschulden massiv verlieren würden. Sie müssten laut der Studie in einer europäischen Bad Bank aufgefangen werden, die durch Gelder aus dem Euro-Rettungsschirm rekapitalisiert werden müsste.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.05.2012)