Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Frost als Bauern-Frust: Schäden bei Obst, Wein

(c) EPA (Patrick Seeger)
  • Drucken

Der späte Frosteinbruch hat im Osten Österreichs Schäden in Höhe von rund 25 Millionen Euro verursacht. Bauern und Winzer fürchten Ernteeinbußen bis in das kommende Jahr.

Auf den ersten Blick ist der Schaden glatt zu übersehen: Grün liegt das Erdbeerfeld am Wegrand des Gerasdorfer Obst- und Gemüsebauernhofes Trimmel. Erst in der Nähe erkennt man die Misere. Das halbe Feld ist kaputt. Statt grüner, unreifer Erdbeeren hängen jetzt braune, tote Früchte an den Stauden. Auf dem nahen Kartoffelfeld ist die Lage nicht besser: Ein Meer aus braunen Blättern bedeckt den Acker – ein großer Teil der Ernte: einfach kaputt.

Der Obst- und Gemüsebauernhof Trimmel ist Opfer der sehr späten Frostnacht Ende vergangener Woche geworden. Von Donnerstag auf Freitag kam es im Osten des Landes zu einem ebenso plötzlichen wie massiven Kälteeinbruch: Minus fünf Grad zeigten die Thermometer in Niederösterreich. Was den meisten Menschen nur als kalter Schauer über den Rücken jagte, erwies sich für zahlreiche Landwirte als existenzbedrohend: Bei Wein, Mais, Soja, Erdbeeren, Kürbis und selbst in Christbaumkulturen hat die plötzliche Kälte verheerende Schäden angerichtet. Wie teilweise erst jetzt sichtbar wird. Auch bei den Trimmels: „Die Hälfte der Erdbeerernte ist hin. Bei den anderen 50 Prozent wird vielleicht die Qualität nicht ganz stimmen“, sagt Andreas Trimmel. Ein harter Schlag für den Bauern, der hauptsächlich von Spargel und Erdbeeren lebt.

 

Große Schäden im Osten

Doch er ist nur einer von vielen. Besonders betroffen sind die Regionen nördlich der Donau – das Weinviertel und untere Waldviertel. Weit geringer sind die Frostschäden im Burgenland und der Steiermark ausgefallen. Die Hagelversicherung, bei der einige Landwirte gegen Frost versichert sind, schätzt die Schäden im Burgenland auf vier bzw. eine Million Euro.

Auch Wien hat es erwischt: Rund 80 Prozent der Apfelernte sind der Kälte zum Opfer gefallen, heißt es aus der Landwirtschaftskammer. Am Bisamberg sei ein Drittel der Weingärten (bis zu 70von 200 Hektar) betroffen. Genaue Schäden werde man aber erst in den kommenden Wochen abschätzen können, sagt Kammerpräsident Franz Windisch.

In Niederösterreich, dem am stärksten betroffenen Bundesland, schätzt die Hagelversicherung die Schäden auf rund 20 Millionen Euro. Am schwersten habe es die Winzer des Landes getroffen, erklärt Ferdinand Lembacher, Direktor der Abteilung Pflanzenbau in der niederösterreichischen Landwirtschaftskammer. 6000 von insgesamt rund 26.000 Hektar Weinbaufläche seien „weitgehend geschädigt“. Und: „Da geht es nicht mehr darum, ob sich die Stöcke dieses Jahr noch erholen – wir machen uns schon über die Ernte 2013 Gedanken.“

Die macht sich auch Roman Josef Paffl, Jungwinzer vom Weingut R&A Pfaffl in Stetten im Waldviertel. Etwas ratlos steht er vor den erfrorenen Weinreben. „Ich will das gar nicht sehen“, sagt er und blickt leicht gequält in die Ferne, als wäre am Horizont ein Lichtblick zu finden. Jeder Hang des rund 80 Hektar großen Weingutes ist vom Frost betroffen, „meistens der untere Teil, die Kälte sinkt ja“.

Was im Nachhinein sogar von Vorteil ist. So fällt kein Wein komplett aus – es wird nur weniger davon geben. Existenzbedrohend sei der Schaden – Pfaffl schätzt, dass circa fünf bis 15 Hektar kaputt sind – zwar nicht, trotzdem wird sich der Ernteausfall massiv auf sein Geschäft auswirken. Bis ins nächste Jahr. Denn auch die rund fünf Hektar Jungpflanzen, die erst 2013 geerntet werden hätten können, sind hinüber. „Es tut einfach weh, das alles zu sehen“, sagt Pfaffl. Auch bei den Trimmels geht man davon aus, dass sich der Schaden bis ins nächste Jahr ziehen wird. „Manche Erdbeeren kann man zwei Jahre lang ernten, die fallen nächsten Jahr vermutlich auch aus.“ Nur bei den ebenfalls betroffenen Kartoffeln könnte der junge Bauer Glück haben. „Wenn das Wetter jetzt passt, dann können die wieder austreiben, sie werden dann einfach später reif.“

Überhaupt wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen, wie schlimm die Schäden tatsächlich sind: Manche Früchte wie der Mais könnten sich etwa noch selbst regenerieren, bei Kürbissen wäre „gerade noch“ ein Zeitfenster offen, die Felder umzuackern und neu anzubauen. Lembacher von der Landwirtschaftskammer hat aber Zweifel, „ob neue Früchte bei der herrschenden Trockenheit noch gedeihen können“.

 

Hoffen auf gutes Wetter

Trimmel hofft trotzdem. Nicht nur auf die Kartoffeln, sondern auch, dass die verbliebenen Erdbeeren noch gut werden. „Wenn es die nämlich auch noch erwischt, dann wird es eng.“ Mit Problemen kann er jedenfalls rechnen. Erste Beschwerden von den Großabnehmern hätte es schon gegeben. „Die Kunst wird sein, allen weniger zu geben“, sagt Trimmel. Hilfe seitens der öffentlichen Hand erwartet er sich nicht. Dabei plant das Land Niederösterreich bereits ein Hilfsprogramm für Bauern, „die durch den Frost in ihrer Existenz bedroht sind“, so Agrarlandesrat Stephan Pernkopf (ÖVP) zur „Presse“. Was wohl auch damit zu tun hat, dass es so einen Frost zuletzt vor 20 Jahren gegeben hat.

Ob das den schlimmsten Schaden abwenden kann, wird man sehen. Winzer Pfaffl will jedenfalls lieber positiv denken: „Jetzt ist's schon passiert – jetzt kannst eh nichts mehr machen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.05.2012)

Mehr erfahren