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Mordkomplott in Syrien: Assads Schwager offenbar vergiftet

Präsident Bashir al-Assad
Präsident Bashir al-Assad(c) AP (Anonymous)
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Der Schwager des Präsidenten war Teil des Sicherheitsapparates. Rebellen behaupten, ihn mit einem vergifteten Getränk getötet zu haben. Auch ein Assad-Cousin soll getötet worden sein.

Das syrische Regime bemüht sich seit Tagen, Spekulationen über einen Giftmord im innersten Zirkel der Macht zu entkräften. Doch gleichzeitig verdichten sich die Anzeichen für das angebliche Komplott gegen die Mitglieder des Krisenstabs von Präsident Bashir al-Assad. Rebellen behaupteten, Asef Shawkat, den Schwager des Präsidenten, vergiftet zu haben. In einem Internet-Gesprächskreis der sogenannten "Union der Koordinierungskomitees der Syrischen Revolution" hieß es am Mittwoch: "Wir können bestätigen, dass Asef Shawkat, der Schwager des Präsidenten, tot ist." Auch Hafez Makhlouf, ein im Sicherheitsapparat tonangebender Cousin soll zu Wochenbeginn in Damaskus getötet worden sein.

Shawkat hatte in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Positionen im Sicherheitsapparat des Regimes besetzt. Er war stellvertretender Generalstabschef für Sicherheitsangelegenheiten und Chef des militärischen Geheimdienstes. Auch in den vergangenen Monaten spielte er als Vize-Verteidigungsminister eine wichtige Rolle bei der Unterdrückung des Aufstands. Ein ehemaliger hochrangiger Offizier erklärte, der Tod von Shawkat sei ein schwerer Schlag für das Regime, da der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Schwager im Sicherheitsapparat mehr Unterstützung genossen habe als Assad.

Der Nachrichtensender al-Arabiya bestätigte, dass in al-Madahle, dem Heimatdorf von Shawkat, Menschen um den Ehemann von Assads Schwester Bushra trauerten.

Komplott gegen den Führungszirkel

Dabei ist Shawkat nur ein Opfer eines vermutlich viel größeren Anschlags. Am vergangenen Samstag behaupteten Assad-Gegner, sie hätten Shawkat und fünf andere Mitglieder eines sogenannten Krisenstabs während einer Zusammenkunft in der Hauptstadt vergiftet.

Einen Tag später traten jedoch zwei der Totgesagten - Innenminister Mohammed Ibrahim al-Shaar und General Hassan Turkmani, der Assistent des Vizepräsidenten - im staatlichen Fernsehen auf, um die vom arabischen TV-Sender al-Jazeera verbreitete Nachricht über den Giftmord zu dementieren.

Entführter Cousin wurde getötet

Später revidierte die Opposition ihre Angaben und erklärte, einige der insgesamt sechs Mitglieder des Krisenstabes hätten die Gift-Attacke offensichtlich überlebt. Am Dienstag hätten der Präsident und seine Frau Asmaa das Al-Shami-Krankenhaus in Damaskus aufgesucht, in das die vergifteten Mitglieder des Krisenstabes am Samstag gebracht worden seien. Shawkat sei jedoch ganz sicher tot. Seine Leiche sei am Dienstag per Helikopter in sein Heimatdorf gebracht und dort beigesetzt worden.

Makhlouf hingegen wurde entführt. Als das Regime einen vereinbarten Gefangenenaustausch platzen lies, sollen Rebellen in umgebracht haben. Beweise oder eine offizielle Bestätigung für den Tod des Oberst lagen zunächst nicht vor.

Erfolgsmeldung für die UN-Beobachter

Zum ersten Mal seit Beginn ihrer Mission in Syrien haben die Militärbeobachter der Vereinten Nationen erfolgreich zwischen dem Regime und der Opposition vermittelt. Eine Sprecherin teilte am Mittwoch mit, die Beobachter hätten in der Ortschaft Khan Sheikoun die Freilassung von zwei gefangenen mutmaßlichen Regimegegnern überwacht. Die Bewohner hätten der Armee im Gegenzug erlaubt, einen beschädigten Panzer abzutransportieren.

Die UN-Beobachter veröffentlichten ein Video, in dem die Verhandlung und der Austausch zu sehen sind. Ebenfalls zu beobachten ist, wie Helfer des Roten Halbmondes die beiden freigelassenen Männer begleiten. Die unbewaffneten Militärbeobachter sind seit April in Syrien. Ihre Mission ist Teil eines Friedensplans von UN-Vermittler Kofi Annan. Der ehemalige Generalsekretär sieht eine Waffenruhe und einen politischen Dialog zwischen dem Regime von Präsident al-Assad und der Opposition vor.

(Ag.)