Mit Lust zerfleischt sich die deutsche Linke. Lafontaine hat wieder einmal genug.
Na das hat sich ausgezahlt: Jetzt ist er beleidigt, der Oskar. Gönnerhaft hatte sich Oskar Lafontaine, der Gründervater der Linkspartei, erbötig gemacht, als Lotse an Bord zu kommen und seine Schöpfung vor dem Niedergang zu bewahren. Von einigen wurde er auch als eine Art materialistischer Messias herbeigesehnt.
Doch regte sich immer mehr Kritik, gerade auch an seiner nicht eben demokratisch anmutenden Forderung, es dürfe keinen Gegenkandidaten geben. Dass er auch einen Spitzenjob für seine Lebensgefährtin, Sahra Wagenknecht, gefordert haben soll, also quasi eine – horribile dictu – Privatisierung der Partei, ließ manche Genossen die Majestätsbeleidigung wagen.
Lafontaines Rückzug ist der Gipfel einer Selbstzerstörung, wie man sie nicht besser hätte planen können. Der Euro steht auf dem Spiel, allerorten wird um Konzepte zum Ausweg aus der Krise gestritten, doch die Linke ergeht sich lustvoll im Autokannibalismus. Ach ja, gelegentlich meldet sich Wagenknecht, die Madonna der linksextremen Sektierer, programmatisch zu Wort. Und spricht von einer „neoliberalen Agenda, die die Schulden der Staaten eskalieren ließ“. Alles klar: Dann ist Griechenland also nicht deshalb so verschuldet, weil es über seine Verhältnisse lebte?
Dass solche Thesen in der Krise auf fruchtbaren Boden fallen können, hat der Grieche Alexis Tsipras gezeigt. Doch wenn eine Partei nur mehr mit Personalpossen in die Schlagzeilen gerät, wenden sich auch linke Wähler mit Grauen ab.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2012)