Küsse und Häuser am See: Schnell ermittelt wieder

(c) ORF (Petro Domenigg)
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Andreas Lust möchte eine Beziehung. Ursula Strauss ist sich nicht sicher. Und Wolf Bachofner könnte immer Inspektor bleiben. In Wien wird in einer Hietzinger Villa der Film „Schnell ermittelt – Schuld“ gedreht.

Ein bisschen erinnert der Drehort an ein gut organisiertes Ferienlager. Während die zwei Hauptdarsteller Ursula Strauss und Wolf Bachofner Verbrecher jagen, liest Filmneuzugang Manuel Rubey ganz entspannt ein Drehbuch auf seinem iPad – und Schauspieler Andreas Lust beantwortet Fanpost via Facebook. „Das ist ein einfacher Weg, mit den Leuten in Kontakt zu bleiben.“

In Wien wird an diesem Maitag in einer Hietzinger Villa der Film „Schnell ermittelt – Schuld“ gedreht. Nach dem Ende von Staffel vier der beliebten TV-Serie rund um Chefinspektorin Angelika Schnell hat der ORF zwei 90-minütige Fortsetzungen in Auftrag gegeben.

Sehr zur Freude der Schauspieler, die einstimmig behaupten, ihrer Rollen noch immer nicht überdrüssig zu sein. Auch wegen der guten Stimmung am Set. „Man muss sich nach fünf Jahren einfach keinen Platz mehr erkämpfen“, sagt Andreas Lust, der die Rolle von Schnells Ex-Ehemann, Stefan Schnell, spielt und sich an diesem Tag eine Zigarette an der anderen anzündet. Fast ein wenig Urlaub, sei der Filmdreh: „In der Serie mussten wir immer zwischen den Szenen hin und her hüpfen, weil wir mehrere Folgen gleichzeitig gedreht haben. Das fällt jetzt weg.“

Nicht weggefallen ist hingegen die Frage, wie der Handlungsstrang der Serie im Film weitergehen wird. Am Set herrscht große Verschwiegenheit. Die Frage, ob Stefan Schnell mit seiner Exfrau, Angelika Schnell, wieder zusammenkommt, beschäftigt die Schauspieler dann aber selbst. Andreas Lust würde die beiden gerne zusammen sehen: „Die haben gemeinsame Kinder und sich einfach ein ganzes Leben miteinander aufgebaut.“ Schnell und Schnell mit 60 gemeinsam auf einer Parkbank. So hat er das im Kopf.

Er selbst ist eben erst mit seiner Familie in Berlin umgezogen, in ein Haus mit Kleingarten. Gärtner im Herzen, ja das sei er schon immer gewesen. „Kennen Sie das Lied ,Haus am See‘ von Peter Fox? Die ganze Familie ist zusammen, und im Garten laufen die Enkelkindern herum. So stell ich mir das vor.“

Seine Kollegin Ursula Strauss sieht das differenzierter. Zumindest was ihre Rolle betrifft. „Ich weiß nicht, ob die zwei was miteinander haben sollten“, sagt sie. „Ich glaube, die Angelika weiß es selbst nicht.“ So wie sie vieles im Schnell-Ermittelt-Film nicht weiß. Ob sie etwa ihre Arbeit als Chefinspektorin nach einer langen Reise (Cliffhanger von Staffel vier) wieder aufnehmen möchte.

Sehr zur Freude des Kollegen Franitschek, der in der Zwischenzeit zum Chefinspektor aufgestiegen ist. „Da gibt es Spannungen“, wird Wolf Bachofner später erzählen. Seiner Rollen im Krimibusiness (Bachofner war davor auch der „Höllerer“ in „Kommissar Rex“) ist er jedenfalls noch lange nicht überdrüssig geworden. „Von mir aus können es noch zehn Krimiserien sein.“

Bis es so weit ist, muss er wohl erst den aktuellen Fall lösen. Angelika Schnell mischt sich darin in einen Fall von häuslicher Gewalt ein. Eine Situation, die Ursula Strauss nachvollziehen kann, hat sie doch selbst schon mehrere Male Zivilcourage bewiesen. Einmal, als eine Gruppe Jugendlicher auf einen Sandler eingeschlagen hat. „Die ganze U-Bahn war voll und niemand hat etwas gemacht.“

Angesichts des drohenden Endes der Serie (der ORF hat noch immer nicht entschieden, ob die Serie verlängert, beendet oder auf Filmformat umgestellt wird) kommt ihr Wehmut, aber keine Traurigkeit. „Ich finde, man darf sich nicht langweilen. Noch ist mir nicht fad. Aber ich will das auch nicht erleben“, sagt Strauss.

Die österreichische Filmszene ist ohnehin zu klein, als dass sie die Kollegen aus den Augen verlieren könnte. Demnächst steht sie mit dem Kollegen Lust schon wieder für einen Thriller vor der Kamera. Der wiederum könnte sich vorstellen, auch in Zukunft eine Serienrolle zu spielen. Am liebsten eine im „Tatort“. „Die Serie hat einfach Kultstatus“, sagt er. Manche behaupten ja, „Schnell ermittelt“ hätte das auch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2012)

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