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Bauträger planen neue Zieselbauten

(c) Archiv Nationalpark Neusiedler S (Archiv Nationalpark Neusiedler S)
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Für die Ziesel am Marchfeldkanal wurden nun Ausgleichsflächen gefunden. Es handle sich um Flächen entlang und auf der anderen Seite des Marchfeldkanals. Die umstrittene Umlenkung könnte demnächst starten.

Wien. Auf dem Feldweg entlang des Marchfeldkanals prallen Welten aufeinander. Hier zwei Frauen auf Rädern. Außer sich sprechen sie von Geschäftemacherei, Millionengewinnen, einer illegalen Vertreibung streng geschützter Tiere. „Sie wollen Billigwohnungen, Migranten aus den gürtelnahen Bezirken ansiedeln, darum geht es doch!“, ereifert sich eine. Dort Peter Fleissner, Geschäftsführer der Kabelwerk Bauträger.

Er belächelt die Frauen, spricht von sozialem Wohnbau, umweltverträglichen Lösungen. Weil das Bauprojekt auf den Gründen hinter dem Heeresspital in Wien-Stammersdorf umstritten ist, hat er eine Entourage aus PR-Beratern und Naturschutzexperten um sich geschart. Die Bauträger Donau City und Kabelwerk wollen auf diesem Grundstück schließlich in wenigen Jahren 900 Wohnungen bauen. Allerdings, diese Fläche haben schon etwa 150 Ziesel zu ihrem Lebensraum erkoren, und diese Nager dürfen laut Fauna/Flora-Habitat-Richtlinie weder abgesiedelt noch in irgendeiner anderen Art gestört werden. Ihren Lebensraum könnte man nur verbauen, wenn die Ziesel freiwillig abwandern.

Nun sollen geeignete Ausgleichsflächen gefunden sein. Es handle sich um Flächen entlang und auf der anderen Seite des Marchfeldkanals, die der MA49 (Forstamt und Landwirtschaftsbetrieb) gehören und zum Schutzgebiet Wald und Wiesengürtel zählen. Entsprechende Verträge seien unterschriftsreif, sagt Fleissner.

 

Kommen Ende 2013 die Bagger?

Ziesel, erklärt Nager-Expertin Ilse Hoffmann von der Uni Wien, die im Auftrag der Bauträger arbeitet, lieben Wiesen. Lichtet man das Unterholz oder streut man Wiesensaat, könnten die Ausgleichsflächen für die Ziesel attraktiv genug werden, damit sie umsiedeln. Diese Arbeiten sollen demnächst starten. Allerdings, bei ähnlichen Projekten hat eine Umlenkung Jahre gedauert. Auch die MA 22 muss der Aktion zustimmen. Ein früherer Antrag wurde zurückgewiesen, weil Ausgleichsflächen gefehlt haben.

Nun wollen die Bauträger einen neuen Antrag stellen. Die Zeit drängt, schließlich wird ein Baubeginn für Ende 2013 angepeilt. Das gilt als höchst optimistisch. Solange Ziesel auf dem Grundstück leben, werde aber kein Bagger auffahren, verspricht Fleissner.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2012)