Ein todsicherer Anlagetipp: 2500 Jahre alte Drachmen

Das Geld ist auf der Flucht, hören wir aus Griechenland. Und es zeigt dabei seine erstaunliche Wandlungsfähigkeit.

Die schlauen Griechen, sagen die ganz Misstrauischen unter den Wohlhabenden, lassen ihr Geld, das derzeit noch in Euro gerechnet wird, nach Westeuropa flüchten und zum Teil sogar in die diskrete Schweiz. Das klingt mir vernünftig. Wer möchte schon Drachmen besitzen, die es noch gar nicht gibt, deren Wert aber sicherlich tiefer anzusetzen ist als die härteste Währung zwischen Cadiz und Utsjoki? Da wäre mir sogar eine Villa in Bergisch-Gladbach lieber als ein fettes Konto in Piräus, wäre ich Anlageberater in Griechenland.

Weil aber das Gegengift in Österreich angesiedelt und der Schilling nur noch eine ferne Nostalgie ist, fällt mir die Entscheidung schwerer als dem normalen Griechen: Wohin sollte mein weniges Bares flüchten, falls ich demnächst eine Panikattacke erleide und dem landesüblichen Euro nicht mehr vertraue, weil er von der Inflation angesteckt wird? Die Geldentwertung ist eine tückische Krankheit. Ich stelle sie mir so vor. Dem Hunderter wird so schlecht, dass er nicht mehr sattgrün ist, sondern rasch vergilbt und dann aussieht wie ein Fünfziger.

Was tun mit dem bisschen Ersparten? Ich habe mich an ein Hobby meiner Kindheit erinnert: das Sammeln von Münzen. Mein Großvater tat das, wahrscheinlich auch deshalb, weil er zwei Geldentwertungen miterlebt hatte. Er vertraute keinem Papier, das war ihm zu mephistophelisch. Lieber betrachtete er mit der Lupe die Kreuzer und Taler und Dublonen, die er sich leisten konnte. Noch in der Generation meiner Väter war es üblich, den Kindern Silbermünzen zu schenken, denn die waren, so sagten die Erwachsenen, immer etwas wert, und wenn es nur das Material war. Ist auch das nur eine Illusion? Nein. Man schaue sich nur an, wie sich der Kurs von Gold und Silber und Kupfer seit der Krise von 2008 entwickelt hat. Jene Anleger, die damals ins Edelmetall geflüchtet sind, lagen nicht so falsch.

Ich werde also umlernen. Ab heute interessieren mich weder Warentermingeschäfte noch Aktien von Facebook, sondern 2500 Jahre alte Drachmen. Sie sind sicher wertbeständig wie römische Talente. Und wie steht es eigentlich um die alten Zehn-Schilling-Münzen? Werden die in ganz fortschrittlichen Kreisen bereits wieder gehandelt? Ihr Feingehalt an Silber soll sensationell hoch gewesen sein.

Als ich noch ein Knabe war, galten der Silberdollar, der Sovereign und der Krügerrand als besonders interessant. Eine einzige dieser Münzen überstieg bei Weitem meine Liquidität. Ich werde mich erkundigen, wie hoch sie derzeit im Kurs sind. Und eine weitere Option suchen. Bereits jetzt wage ich die Prognose: Investieren sie in Beton! Angeblich bauen die ganz Reichen, nachdem sie ihre allgemein finanzierten Luftgeschäfte erfolgreich abgeschlossen haben, längst wieder konventionelle Geldspeicher. Um auch weiterhin wie Dagobert Duck unbehelligt in ihrem Gold zu baden.

E-Mails an: norbert.mayer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2012)

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