Nicolas Berggruen bestätigt Gespräche mit dem Insolvenzverwalter der Drogeriekette. Medienberichten zufolge will er 100 bis 150 Mio. Euro für den ehemaligen deutschen Marktführer bei Drogerieartikeln bieten.
Wien/Ag./Red. Er liebt die Herausforderung: Erst 2010 hat Investor Nicolas Berggruen die insolvente deutsche Kaufhauskette Karstadt übernommen, ehe er 2011 Interesse an dessen strauchelndem Konkurrenten, der Metro-Tochter Kaufhof, gezeigt hat.
Nun steckt ein weiterer deutscher Handelsriese in der Krise, und Berggruen ist zur Stelle: Der Investor stehe in Kontakt zum Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, bestätigte Berggruens Sprecher. Medienberichten zufolge will er 100 bis 150 Mio. Euro für den ehemaligen deutschen Marktführer bei Drogerieartikeln bieten. Dieses Gebot soll sich nicht allein auf die deutsche Muttergesellschaft, die zu Jahresbeginn in die Insolvenz gerutscht war, sondern auf den Konzern inklusive der Auslandstöchter beziehen.
Gläubiger beraten über Zukunft
Berggruen könnte damit nach den Karstadt-Mitarbeitern für die Schlecker-Angestellten zum Retter werden. In Kürze soll sich entscheiden, ob der Konzern mithilfe eines Investors weitergeführt wird oder in seine Einzelteile zerschlagen wird. Der Gläubigerausschuss traf gestern, Freitag, zusammen, um über diese Frage zu beraten. Neben der Einkaufsgemeinschaft Markant mit Sitz in der Schweiz zählen auch die Kreditversicherung Euler Hermes und die Agentur für Arbeit in Ulm zu den Gläubigern.
Ein Verkauf der österreichischen Tochter stand bisher nicht zur Disposition. Dies könnte sich Experten zufolge aber schnell ändern. Das tschechische Filialnetz ist bereits verkauft worden; im Frankreich-Geschäft stehe man kurz vor dem Abschluss, sagte ein Sprecher der Insolvenzverwaltung. Auch in anderen Ländern gibt es Bewegung: In Spanien zeigten Investoren reges Interesse; auch in Polen und Österreich soll sondiert werden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2012)