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Neuwirth distanziert sich vor "Outcast"-Uraufführung

Neuwirth distanziert sich OutcastUrauffuehrung
(c) APA/JAEGER ROBERT (JAEGER ROBERT)
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Die Komponistin zeigt sich von der Inszenierung am Nationaltheater Mannheim "enttäuscht" und spricht von "Enteignung".

Nur wenige Stunden vor der Uraufführung ihrer Oper "The Outcast" im Nationaltheater Mannheim am Freitagabend übte die österreichische Komponisten Olga Neuwirth heftige Kritik am Vorgehen des Teams rund um Regisseur Michael Simon, was den Umgang mit ihrem Werk betrifft. Sie sowie die beiden Librettisten Anna Mitgutsch und Barry Gifford seien "einfach missachtet" worden. Zu einer kooperativen Zusammenarbeit sei es nicht gekommen, vielmehr wurden "Einwände und Vorschläge - auch während der Probenzeit - nicht gehört", so Neuwirth. Deshalb sehe sie keine andere Möglichkeit, als sich nach der Generalprobe von der Produktion zurückzuziehen.

"Fühlen uns um unseren Beitrag betrogen"

Entstanden ist "The Outcast" als Auftragswerk des Nationaltheaters. Inhaltlich beschäftigt sich das Stück mit dem Leben und Werk des Schriftstellers Herman Melville, aus dessen Feder etwa "Moby Dick" stammte. Neuwirth zeigte sich angesichts der fehlenden Einbindung in die Bühnenübersetzung "enttäuscht" und ist "empört über den Umgang mit Künstlern". Sie wolle zwar die Freiheit der Anderen in keinerweise einschränken. "Ich bin aber gegen die Missachtung und Entmachtung unseres Werkes. Stillschweigende Enteignung finde ich unmoralisch. Wir fühlen uns um unseren Beitrag betrogen."

Ihre Ideen seien derart verdreht worden, dass "die Handlung und Aussage des Dramaturgen und des Regisseurs so über unser gestülpt wurden, bis sie ihrer geistigen Augenhöhe entspricht". Das sei für sie nichts anderes als "Falschmünzerei" und eine "reine Verachtung des Schöpferischen".

Operndirektor bedauert Neuwirths Rückzug

Konfrontiert mit der Kritik reagierte der Operndirektor des Nationaltheater Mannheim, Klaus-Peter Kehr, betroffen. "Ich bedaure sehr, dass Olga Neuwirth unsere Arbeit an der Realisierung ihrer Oper 'The Outcast' nicht schätzen kann." In einer kurzen Stellungnahme verwies Kehr auf die "hohen künstlerische Qualität sowohl von ihrer Musik als auch von ihrer Oper" und das Risiko bei einer Realisierung "nicht den Vorstellungen der Urheber" zu entsprechen. Aber: "Alle Beteiligten stehen hinter dem Werk." Kehr zeigte sich überzeugt davon, dass die heutige Uraufführung ein "gelungener Opernabend werden wird, sowohl musikalisch wie szenisch".

(APA)