Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Ausstellung: Die Stadiontribüne als zweite Heimat

Stadiontribuene zweite Heimat
(c) Strobl
  • Drucken

Die Ausstellung "Fankultur macht Kunst" ist Fußballanhängern, deren Philosophie und ihrer Identität gewidmet.

Fußball ist nicht nur einfach Sport. Fußball ist Leben, Kultur, Spaß, ein Vergleich. Es ist das Duell von Spielern, Klubs, Ligen und Nationen. Es ist Kommunikation. Für viele bedeutet der Ball die Welt, deren Wahrheit nur auf dem Rasen zu finden ist. Ganz zu schweigen von den verschiedenen Farben, Flaggen und Emblemen, es sind Relikte. Für den einen oder anderen sind es Heiligtümer, das Suchen nach Erklärungen dafür endet in Superlativen oder mit der über Gebühr strapazierten Gleichstellung mit Religion.

Für viele Fans ist es Pflicht, ihrem Verein oder Team quer durch die Länder zu folgen, weder Kosten noch Mühen zu scheuen und Wochenende für Wochenende bei jedem Wind, Wetter und Spielausgang für Stimmung zu sorgen. Für das Gros der Gesellschaft ist das schwer nachvollziehbar, für echte Fans das Um und Auf.

Dabei gibt es auch soziale Irritationen, die sich in Form von Nationalismus, Gewalt oder anderen Dummheiten äußern. Gottlob verdirbt dieser Mob den Fußball der Gegenwart nur noch selten. Und bei Großereignissen wie der Euro 2012, die am 8.Juni in Polen und der Ukraine „angekickt“ wird, sind „echte“ Fans gefragt.

Stell dir vor, es ist Euro und keiner fährt hin – das ist unvorstellbar. Genauso wie die Tatsache, dass England Europameister wird und die Deutschen früh ausscheiden. Aber auch da gehen Vorlieben und Interessen unterschiedliche Wege. Ohne Fans keine Stimmung, Choräle, Banner, Plakate. Ohne Zuschauer keine Einnahmen, Sponsoren, TV-Bilder – ohne Fans ist Fußball nichts mehr als nur ein Spiel.

Für Österreich endet der Euro-Traum hingegen stets am Strafraum. Die Qualifikation ist zu schwer, außer man ist Gastgeber wie 2008 und fix qualifiziert. Doch selbst das ist nicht notwendigerweise mit Erfolg verbunden. Daran hatte man hierzulande zwar schwer zu knabbern, aber auch dieses Phänomen verbindet. Fußball bedeutet nicht nur Freude, sondern auch das gemeinsame Leiden.


Fußball trifft Kunst. Nur weil das ÖFB-Team bei dem Turnier nicht mitspielt, muss die Euro nicht vollends für Österreicher am Fernseher vorbeistreichen. Dafür stecken zu viel Energie, Interessen und Begeisterung dahinter, deshalb rief Gernot Rammer das Projekt „Fankultur macht Kunst“ ins Leben. Der Künstler Thomas Strobl vollendete 20 Fan-Bilder diverser Klubs – die Palette reicht von Rapid bis Vorwärts Steyr und beinhaltet trotz groben Widersprüchen zur Fan-Philosophie auch Doublegewinner Salzburg – und stellt seine Impressionen von Energie und Einsatz nun in zwei Vernissagen vor.

„Fußball ist mehr als nur ein Spiel“, beteuert Rammer und fügt als Erklärung hinzu, dass er einst für Blau-Weiß Linz die Daumen drückte. Das sei ausschließlich fix verbunden mit Enttäuschungen oder seltenen Derbysiegen und trotzdem für den Kunst- und Medienmanager das Highlight. „Wir beleuchten die Kreativität, zeigen Bilder der zweiten Heimat dieser Menschen – in der Gruppe, auf der Tribüne. Das ist ihre Identität. In einem Kollektiv engagiert zu sein, bedeutet ja für viele auch die Möglichkeit, sich kulturell zu äußern und soziale Kontakte zu pflegen.“

Ideen und Veranstaltungen dieser Art sind nicht neu, selbst bei der Euro 2008 gab es vergleichbare Ansätze, die jedoch im Schatten des Sports verlaufen waren. Dessen ist sich auch Rammer bewusst, der Zuspruch für die Ausstellungen ab 6.Juni auf dem Wiener-Sportklub-Platz und ab 29.Juni in den Linzer Tabakwerken (bei freiem Eintritt) jedoch stimme und das Interesse wachse täglich, auch aufgrund der Zuhilfenahme der Social-Media-Plattform Facebook (www.facebook.com/fankulturmachtkunst). Auch das sei Kommunikation, sagt Rammer. Es verbindet, erklärt, erleichtert – wie auf dem Fußballplatz. Nur Aktionäre denken dieser Tage wohl anders.

Dass vorerst ausschließlich nur österreichische Klubs auf der Sportklub-Haupttribüne zu bewundern sein werden, ist der Tatsache geschuldet, dass alles einen Anfang nehmen und wachsen muss. So verlangt es der Begriff von Tradition, sagt Rammer, wild Zusammengekauftes bringe auch im Fußball nichts. Der Kontakt zum ÖFB ist aber hergestellt, Kooperationen mit europäischen Klubs ebenso, größere Ausstellungen in Deutschland und England folgen. Kreativität braucht Zeit und Raum, nur im Abseits sollte sie nie stehen. Dort tummeln sich ohnehin schon viel zu viele schlechte Kicker.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2012)