Ewan McGregor: Fischer und Weltenbummler

Fischer Weltenbummler
Fischer Weltenbummler(c) EPA (GUILLAUME HORCAJUELO)
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Er war Junkie in "Trainspotting" und Jedi-Ritter in "Star Wars": Der schottische Schauspieler Ewan McGregor über Dreharbeiten, seinen Hund, sein erstes Motorrad und seine Biketouren um die halbe Welt.

Er hat als Junkie, Dandy, Musicalheld und Jedi-Ritter brilliert – und ist in Cannes dieses Jahr als Jurymitglied zugange. In heimischen Kinos ist Ewan McGregor indes mit Emily Blunt in einer schrägen Mischung aus Politsatire und romantischer Komödie zu sehen: In „Lachsfischen im Jemen“ spielt er einen spießigen Wissenschaftler, der von der PR-Frau eines Scheichs den Auftrag erhält, schottische Lachse in einem jemenitischen Wadi anzusiedeln.

Ausgefallene Rollen sind Ihr täglich Brot. Jetzt spielen Sie einen verschrobenen Ichthyologen, sprich Fischkundler. Sind Sie gut im Fliegenfischen?

Ewan McGregor: Gar nicht so schlecht – aber verbesserungswürdig. Nahe des Sets gab es einen kleinen See, an dem ich und mein Kollege Amr Waked Fliegenfischen trainieren mussten. Als uns Emily Blunt und ihr Mann dabei beobachteten, taten wir natürlich besonders professionell. Dann wollten sie es auch probieren und wir konnten meisterliche Kommentare abgeben: „Noch ein bisschen weicher aus der Hüfte, Emily!“

Hat Ihre Nachhilfe gefruchtet?

Ja und nein. Bei Emily hat einer angebissen – aber es war mein Hund. Sie schwenkte die Angel so sehr aus, dass der Haken Richtung Ufer schwang, wo mein Hund saß. Und der hat dichtes, lockiges Fell, eine Pudelmischung. Er hat nicht verstanden, warum er plötzlich nicht mehr wegrennen konnte...

Kannten Sie Emily Blunt schon von früher?

Nein. Das erste Mal sah ich sie im Flugzeug, wo sie zusammen mit ihrem Mann John Krasnicki saß. Ich sah sie und sagte zu meiner Frau: „Schau mal, da sitzt Emily“, und sie sagte zu John: „Schau mal, da hinten sitzt Ewan.“

Was hat das Eis dann gebrochen?

Dass wir uns verstehen, wusste ich, nachdem sie mal meinen schottischen Akzent gehört hatte und daraufhin unseren Regisseur Lasse Hallström bekniete, dass ich den ganzen Film über so und nicht anders spreche...

Ihr Durchbruch war 1999 „Star Wars“. Wann wurden Sie selbst zum Star-Wars-Fan?

Mit sechs, sieben Jahren habe ich die Originale gesehen und geliebt. Mein Onkel spielte darin mit, Denis Lawson, er war der Wedge in den ersten drei Folgen. Er war mein Held, seinetwegen bin ich Schauspieler geworden.

Haben Sie auch mal etwas völlig Abstruses versucht, wie Lachse im Jemen zu fischen?

Ja, meine Motorradtrips sind wohl meine Lachse. Von London nach New York und dann ganz hinunter nach Afrika – das waren verrückte Träume, die ich mir da verwirklicht habe.

Wann haben Sie Ihre erste Maschine gekauft?

Mit 20. Meinen Eltern habe ich nichts erzählt, damit sie sich keine Sorgen machen. Immer, wenn sie mich besucht haben, habe ich meine ganzen Motorradsachen in der Wohnung meiner Nachbarin versteckt. Zwei Jahre lang sind sie jedes Mal an meinem Motorrad vorbeigegangen, bis ich irgendwann sagte: „Übrigens: Das hier ist meins.“ Jetzt ist es so ein Familiending geworden: Mein Vater fährt eine Maschine, mein Onkel, mein Bruder.

Was hat Sie zu Ihren Touren bewogen?

Es ist hoch spannend, die Welt so zu entdecken. 2004 bin ich mit meinem besten Freund in dreieinhalb Monaten von London nach New York gefahren. Dabei ging es durch einige sehr entlegene Landstriche, Kasachstan, die Mongolei, Sibirien. Ich fand es wunderbar, in der Einsamkeit zu sein. Die nächste Tour ging dann vom Norden Schottlands bis nach Kapstadt.

Was Sie in der Doku „The Long Way Down“ festgehalten haben.

Diese Tour war ganz anders als die erste: In Afrika war auf den Straßen immer viel los, sie sind voller Leute und Tiere. In Sibirien sind wir wochenlang niemandem begegnet, in Afrika musste man um Kinder und Tiere oft Slalom fahren. Und was wir alles gesehen haben! Die nubischen Dörfer im Norden des Sudans am Nil sind zum Beispiel unglaublich schön. Manchmal kamen wir uns ein wenig vor wie in „Indiana Jones“ – großartig!

Haben Sie nie Probleme gehabt?

Nichts – außer Reifenpannen. Aber mit Menschen? Nie. Dabei hatten wir vorher mit sogenannten Afrika-Experten gesprochen, einer davon ein Südafrikaner, der uns eine Heidenangst einjagte, weil er meinte, dass wir garantiert mit Macheten ins Jenseits befördert würden. Ein Blödsinn.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2012)

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