Baut Tschechien grenznahe AKWs aus?

Temelin
(c) APA/HANS KLAUS TECHT (Hans Klaus Techt)

Eine Expertengruppe empfiehlt der Regierung in Prag mehr Atomstrom zu produzieren. Die AKWs in Temelin und Dukovany könnten ausgebaut werden.

Der Atomanteil an der Stromproduktion in Tschechien soll bis 2030 von bisher einem Drittel auf 50 Prozent steigen. Das ist der Kern des Berichts einer achtköpfigen Expertengruppe, wie die Tageszeitung "Hospodarske noviny" am Montag berichtete. Das Dokument dient als Grundlage für eine neues Energiekonzept Tschechiens in den kommenden Jahrzehnten dienen, das der Regierung in Prag bis August vorgelegt werden soll. Auch die Chefin der tschechischen Atombehörde, Dana Drabova, ist Mitglied der Expertengruppe.

Dem Zeitungsbericht zufolge schlagen die Experten vor, dass das südböhmische Atomkraftwerk Temelin und eventuell auch das südmährische Atomkraftwerk Dukovany ausgebaut werden. In Temelin, das 60 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt liegt, sollen zwei zusätzliche Blöcke entstehen, während im rund 30 Kilometer entfernten Dukovany ein fünfter Block gebaut werden soll.

Die Experten empfehlen in dem Bericht auch, dass die Regierung auf ihr "großzügige Unterstützung" für erneuerbare Energiequellen verzichtet, sobald deren Anteil an der Stromproduktion 15 Prozent erreicht hat.

Tschechische Atomgegner kritisierten den Bericht. Die Energieindustrie befinde sich im "Teufelskreis des Atoms und der Kohleförderung", sagte der Chef der ökologischen Bewegung "Calla", Edvard Sequens. "Dabei könnten neue Technologie und erneuerbare Quellen gemeinsam mit der Erhöhung der Energieeffizienz die heimische Wirtschaft auf neue Füße stellen, die Verschmutzung senken und uns aus der Abhängigkeit vom russischen Gas befreien", so Sequens.

(Ag.)