Euro-Gastgeber Polen rührt die Werbetrommel, die Erwartungen sind hoch. „Wir haben gelernt, mit Optimismus vorsichtig umzugehen!“
Der polnische Botschafter in Österreich, Jerzy Marganski, ist bereits vom Euro-Fieber gepackt. Er ist stolz darauf, was Polen in den vergangenen Jahren so alles aus dem Boden gestampft hat. „Die Euro ist für uns ein Wirtschaftsunternehmen“, sagt er im Rahmen eines Pressegesprächs, zu dem auch das polnische Fremdenverkehrsamt geladen hat, im Casino Austria im Herzen Wiens. Die Kugel wird rollen, Botschafter Marganski aber mahnt zur Zurückhaltung. „Wir haben in der Vergangenheit gelernt, mit Optimismus vorsichtig umzugehen.“
Vom Erfolg der Europameisterschaft ist die polnische Gemeinde in Wien überzeugt. „Wir haben Flughäfen ausgebaut, Autobahnen gebaut, Bahnhöfe neu gestaltet beziehungsweise restauriert, tausende Kilometer Schienen verlegt, das Hotelnetz um 40Prozent erweitert. Allein in Warschau erwarten wir während des Turniers 100.000 Gäste. Besonders glücklich sind wir natürlich über unsere vier EM-Stadien in Warschau, Wroclaw (Breslau), Gdańsk (Danzig), Poznań (Posen) und Kraków (Krakau).“
Gastgeber Polen ist bemüht, sich in ein positives Licht zu rücken, gibt sich sehr diplomatisch. Vor allem, was den Ko-Gastgeber Ukraine betrifft. Eine politische Diskussion lassen die Polen da gar nicht aufkommen. Auch die gute Zusammenarbeit mit Österreich wird stets betont, die rot-weiß-rote Wirtschaft (Porr, Strabag, Alpine) hat von der Euro 2012 in den vergangenen Jahren ebenso profitiert.
Stargast im Casino Wien war Andrzej Szarmach, in Polen eine Fußballlegende. Der 61-Jährige aus Danzig war in den 1970er-Jahren eines der Aushängeschilder, er gehörte jener Mannschaft an, die bei der WM 1974 Dritter wurde, obendrein stand er 1976 in Montreal im Finale des olympischen Fußballturniers. Szarmach ist neben dem ehemaligen Juventus-Superstar Zbigniew Boniek EM-Botschafter, er ist ein Kenner der Szene. „Die Temperatur steigt“, sagt er. „Und die Erwartungen sind sehr hoch.“
Szarmach weiß, dass die polnischen Fans jetzt schon dem Eröffnungsspiel am 8. Juni in Warschau gegen Griechenland entgegenfiebern. „Wenn es nach mir geht“, scherzt er, „dann hätte ich am liebsten ein Euro-Finale zwischen Polen und der Ukraine in Kiew.“ So ganz mag er nicht daran glauben, „aber wir haben hervorragende Legionäre in ganz Europa. Vor allem unsere Dortmund-Helden sind das Rückgrat der Mannschaft.“
Der Altmeister, der 61 Länderspiele bestritten und dabei 32 Treffer erzielt hat, wurde in seiner Heimat „Teufel“ genannt, gefürchtet war der Torjäger vor allem bei den Torhütern. In seiner Blüte spielte Szarmach in Frankreich für Auxerre, dort hat er auch den Vater von Miroslav Klose kennengelernt. „Wir haben gemeinsam im Angriff gespielt. Schade, dass Sohn Miroslav dann nie für Polen aufgelaufen ist – und sich für Deutschland entschieden hat.“
Klose hat bei der Euro die Chance, den Rekord von Gerd Müller zu brechen. Der DFB-Angreifer hält bei 63Teamtoren, Müller hält die Bestmarke mit 68. Wenn Deutschland aber so spielt wie gegen die Schweiz, wird der Rekord womöglich ewig halten.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.05.2012)