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Fußball-EM: Die „Flucht“ der Ukrainer

(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Christian Walgram)
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Der Euro-Gastgeber Ukraine fühlt sich im beschaulichen Walchsee pudelwohl. Für Superstar Andrij Schewtschenko, 35, soll das Heimturnier zur Abschiedsgala werden.

Walchsee/Apa/Red. Während in der Heimat der Rummel von Tag zu Tag größer wird, genießt die ukrainische Nationalmannschaft in Tirol die Ruhe vor dem großen EM-Sturm. Der Ko-Veranstalter der Endrunde hat sich seit Freitag im beschaulichen Walchsee einquartiert und feilt dort unter Teamchef Oleg Blochin am letzten Schliff.

Beim 4:0-Testspielsieg in Kufstein gegen Estland zeigten sich die Ukrainer bereits gut in Schuss, am Freitag geht es im vorletzten Match vor dem EM-Startschuss in Innsbruck gegen Österreich. Auch Österreichs Teamchef Marcel Koller hat den deutlichen Erfolg der Ukrainer gegen die Esten vor Ort unter die Lupe genommen und zeigte sich von den spielstarken Osteuropäern beeindruckt.

Superstar Andrij Schewtschenko ist überzeugt, dass die Flucht vor dem Stress in der Heimat genau der richtige Schachzug in den letzten Vorbereitungstagen ist. „Die Bedingungen hier in Österreich sind perfekt, es ist fantastisch“, sagte Schewtschenko, der nach der Heim-Euro seine Teamkarriere beenden wird.

„Daheim in der Ukraine laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, die Leute reden nur noch über die EM. In der Ukraine hätten wir jetzt viel mehr Druck. Hier in Österreich sind wir weit weg vom Stress und von den Journalisten. Wir sind entspannt und können als Gruppe zusammenwachsen“, berichtete der 35-Jährige, der zuletzt mit Rückenproblemen und einer Oberschenkelverletzung kämpfte.

Gegen die Esten wurde Schewtschenko nach der Pause eingewechselt und machte einen fitten und frischen Eindruck. Der ehemalige Stürmer von Chelsea und AC Milan bereitete den Treffer zum 4:0-Endstand mustergültig vor und sieht das Team auf einem guten Weg. „Wir hatten gegen Estland viele Chancen, das ist wichtig. Wir haben uns in den vergangenen zwei Jahren stark verbessert. Wir sind eingespielt und haben eine Mannschaft mit vielen schnellen und gefährlichen Spielern.“

 

„Genau das brauchen wir“

Gemeint ist damit vor allem Schewtschenkos Dynamo-Kiew-Teamkollege Andrej Jarmolenko. Die 22-jährige ukrainische Hoffnung ließ auch in Kufstein immer wieder ihre bereits große Klasse als Flügelflitzer aufblitzen. Auch von einem Torhüterproblem war zumindest gegen die harmlosen Esten nichts zu sehen, Andrej Pijatow meisterte die wenigen Prüfungen souverän.

Gegen Österreich erwartet Schewtschenko einen härteren Test als gegen Estland. „Österreich hat eine starke Mannschaft. Das sind genau die Spiele, die wir vor der EM noch brauchen.“ Auch David Alabas Bayern-München-Teamkollege Anatoli Timoschtschuk meinte vor den Generalproben gegen Österreich und dann am 5. Juni in Ingolstadt gegen die Türkei: „Es warten noch zwei schwere Spiele auf uns.“

In der Nacht zum 6. Juni fliegen die Ukrainer in die Heimat zurück und beziehen ihr EM-Quartier. Auf dem Klubgelände Koncha-Zaspa von Dynamo Kiew werden Schewtschenko und Co. trainieren und wohnen. Da wird dann auch der Medien- und Fanansturm ein ganz anderer als derzeit noch in Tirol sein. Lediglich zwei TV-Journalisten haben die Ukrainer nach Walchsee begleitet, zur Partie am Freitag in Innsbruck fliegen aber 20 weitere Medienvertreter ein. Bei der EM treffen die vom Ex-Steyr-Legionär Blochin betreuten Ukrainer in Gruppe D auf England, Frankreich und Schweden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.05.2012)