Dass Tirols Landeskaiser Österreichs besten Kicker auf Englisch anredet, beweist seine Weltoffenheit.
Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter schießt gern so manchen Bock auf anderer Leute Kosten, wovon sich am Dienstag David Alaba, der derzeit beste österreichische Fußballspieler, einen Eindruck verschaffen durfte. Platter sprach nämlich den gebürtigen Wiener und Linksverteidiger des FC Bayern München bei einem Empfang des Nationalteams im schönen Seefeld auf Englisch an. Alaba, Sohn eines Nigerianers und einer Philippinin, half ihm daraufhin höchst elegant aus dem selbst aufgestellten Fettnapf und lud ihn mit den Worten „Sie können ruhig Deutsch mit mir reden, ich bin Österreicher“ zum zwanglosen Gespräch unter Sportsmännern ein.
Wir wollen an dieser Stelle Platter nicht mit Hohn überschütten. Denn wer wollte schon ernsthaft glauben, dass ein Österreicher von den 245 Profis der deutschen Bundesliga zum zweitbesten Aufsteiger der Saison gekürt wird und auf der Liste von Barcelona und Manchester United steht? Und wenn wir auf der Homepage der ÖVP Tirol zum Thema „Bildung“ lesen, dass „das Erlernen der Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen oftmals auf der Strecke bleibt“, darf es nicht verwundern, wenn sogar dem strengen Auge des Landeskaisers im Blätterwald die eine oder andere Information über seine Gesprächspartner entgeht.
Nein, Günther Platter hat sich nicht geirrt, und er ist nicht einem etwaigen tief sitzenden Rassismus erlegen. Vielmehr lebt er die neue Werthaltigkeit der Volkspartei vorbildlich vor. Denn wie heißt es in deren aktueller Werbekampagne? „Offenheit ist ein Wert aus Österreich. Wer mit ,made in Austria‘ weiter Erfolge erzielen will, darf sich nicht abschotten.“
Die Schwarzen in diesem Land reden fortan Englisch. Und zwar shortly, without von delay.
E-Mails an: oliver.grimm@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.05.2012)