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"Österreich" entschuldigt sich für Begräbnis-Liveticker

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(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)
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oe24.at berichtete mit Liveticker vom Begräbnis jenes achtjährigen Buben, der am Freitag erschossen wurde. Die Redaktion entschuldigt sich für die Form, nicht für den Inhalt.

Innerhalb weniger Minuten hatte sich am Dienstagmittag im Internet verbreitet, dass "Österreich" auf seiner Homepage oe24.at mit Liveticker und Diashow vom Begräbnis jenes achtjährigen Buben berichtete, der am Freitag von seinem Vater erschossen worden war. Auf Twitter wurde massiv Kritik geübt. Es war die Art, in der über das Begräbnis des Kindes berichtet wurde - mit Liveticker und einer laufend aktualisierten Diashow -, die einen Sturm der Empörung auslöste. Vor allem auf Twitter wurde Fellner Ziel eines "Shitstorms". Fellner sei "ein Schweinderl, das alles macht", schrieb Florian Klenk ("Falter") und Hanno Settele (ORF) meinte, Fellner müsse nun "geächtet" werden.

"Österreich"-Chef Wolfgang Fellner selbst sprach davon dass "TV-Übertragungen von Begräbnissen weltweit üblich sind". Gemeint hat er allerdings Staatsbegräbnisse oder bewusst als Massentrauerfeier inszenierte Beerdigungen von Stars wie Michael Jackson.

Kampagnen ausgesetzt

Fellner will von der Aktion nichts gewusst haben, wie er gegenüber etat.at sagte. Er weilt gerade in den USA, reagierte aber schnell auf die Kritik und ließ den Ticker einstellen. Er betonte jedoch, dass hier "sicher nicht in die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen eingegriffen wurde". Dennoch halte er einen Liveticker "in diesem Fall, da es sich um ein Kind handelt, für nicht adäquat". Dem Branchendienst medianet sagte Geschäftsführer Oliver Voigt: "Es scheint, dass wir mit dieser journalistischen Ausdrucksform deutlich Geschmacksgrenzen vieler überschritten haben".

Bis Dienstagabend sind drei Beschwerden beim Presserat gegen die Aktion eingelangt, sagte Presserats-Chef Alexander Warzilek zur "Presse", der den Vorgang zuvor als "massiv danebengegangen" kommentierte. Schnell reagiert haben Microsoft Österreich und der Sportwettenanbieter bet-at-home: Via Twitter erklärten sie, ihre Anzeigen auf der Webseite vorübergehend auszusetzen. Die Schattenseite der lauten Kritik: oe24.at erreichte dadurch vermutlich eine der höchsten Klickzahlen ihrer Geschichte.

Redaktion entschuldigt sich für Form

Am Dienstagabend entschuldigte sich auch die Redaktion von oe24 auf der Website: Liveticker seien "die große Stärke von oe24", heißt es darin. Durch den Liveticker vom Begräbnis des Kindes hätten sich User aber "zu Recht in ihrer Pietät und Trauer verletzt" gefühlt.

In ihrem Inhalt habe sich die Berichterstattung aber nicht von jener "anderer Online-Medien, der APA oder des ORF (der vom Begräbnis minutenlange Videoreportagen brachte) unterschieden", verteidigt sich die Redaktion. Allerdings sei durch die Aufmachung als Liveticker "fraglos die Pietät verletzt worden." oe24 "entschuldigt sich ausdrücklich für diese Verletzung der Pietät und Trauerruhe".

Weiter heißt es: "Wir werden in Zukunft ganz besonderes Augenmerk darauf legen, dass gerade bei 'Live Tickern', die naturgemäß immer wieder mit Katastrophen, Verbrechen oder Todesfällen zu tun haben, in verantwortungsvoller Form auf Pietät, Trauer der Betroffenen und journalistische Verantwortung Rücksicht genommen wird."

(awa/Red.)