Shaki und Perman: Plötzlich Schlager

Die beiden Musicalstars Marjan Shaki und Lukas Perman haben das Genre gewechselt und ihr erstes Schlageralbum herausgebracht. Warum bloß?

Eigentlich kennt man sie aus hochdramatischen Produktionen wie „Romeo und Julia“ und „Tanz der Vampire“. Also viel Liebe, viel Lust und am Ende wartet immer irgendwie der Tod. Dazwischen wird fleißig gesungen. Nun haben Marjan Shaki und Lukas Perman – zwei der größten heimischen Musicalstars – das Genre gewechselt. Sie wollen im Schlagerbusiness Fuß fassen. Warum machen sie das?

Sie haben eben Ihre erste Schlager-CD herausgebracht. Wie ist es dazu gekommen?

Shaki: Die Idee ist schon entstanden, während wir Romeo und Julia (Musical aus dem Jahr 2005, Anm.) gemacht haben. Damals haben wir einen Song ausgekoppelt, der stieg dann sehr hoch in die Charts ein. Wir hatten einfach Lust, gemeinsam zu singen. Nur damals war das einfach zu früh.

Ja, aber warum denn ausgerechnet Schlager?

Perman: Wir haben lange Musical gemacht und sind so auch in die französische Popmusik reingerutscht, die ist etwas melancholischer und schwerer. Da war dann schnell klar: So richtig Pop wird’s bei uns nicht werden. Also haben wir uns gefragt, wo wir uns ansiedeln könnten. Da lag der Schlager nahe. So wie Reinhard Fendrich oder Udo Jürgens auch eher Schlager machen. Oder Peter Alexander.

S: Also im Vorfeld waren viele skeptisch wegen der Bezeichnung „Schlager“. Das wird im deutschen Sprachraum ja extrem schubladisiert. Es heißt dann sofort „Oh mein Gott“, bevor man überhaupt reingehört hat. Was ich sehr schade finde. Und wir haben ja nicht gesagt, wir wollen unbedingt „Schlager“ machen. Das wurde einfach so betitelt, weil Rock/Pop ist es ja auch nicht.

Sie sprechen damit aber ein älteres Publikum an.

S: Wir sind nicht mehr in dem Alter, in dem wir in „The Dome“ auftreten und schauen, wie wir Teenies begeistern können. Also ist das Album automatisch für die ein bisschen Älteren konzipiert worden.

P: Also von der Qualität her ist die Platte sehr hochwertig produziert worden. Aber ja klar, wir sind bei Florian Silbereisen in der Show aufgetreten und werden das hoffentlich auch wieder tun. Unsere Songs werden auf Radio Burgenland oder Salzburg gespielt und nicht auf Ö3. Wir wollen ja nicht die Leute zwischen 20 und 30 erreichen – unser Zielpublikum geht eher nach oben.

Wie haben denn Ihre Fans reagiert, als Sie beschlossen haben, mit den Musicals aufzuhören?


P: Die waren schon sehr traurig, sie würden uns also lieber wieder auf der Bühne sehen. Aber wir haben schon davor immer wieder Pausen gemacht und sind ein paar Monate auf Reisen gegangen. Ob wir wieder zurückkehren, wird man sehen, im Moment ist nichts geplant.

S: Und jetzt, da das Album fertig ist, haben viele Fans geschrieben: Oh, das ist ein tolles Album, das habe ich gar nicht erwartet. Umgekehrt war’s beim Schlagerpublikum genauso. Die haben gesagt: Oh, die machen ja gar nicht so auf Musical. Man eckt schon überall an, wenn man etwas Neues probiert.

Ihre Chancen auf Erfolg stehen aber nicht so schlecht. Immerhin sind Ihre Namen bereits bekannt.

S: Das darf man nicht unterschätzen. Das Schlagerpublikum ist seit 30 bis 40 Jahren Fan von, sagen wir mal, Bands wie „Die Flippers“. Und dann kommen wir, singen im Duett, sind relativ bunt und unsere Song plätschern auch nicht so dahin wie andere. Eine Garantie, dass unser Konzept funktioniert, gibt es nicht.

P: Haben Sie schon mal Sendungen wie Carmen Nebel oder Florian Silbereisen gesehen? Wenn man sich diese Sendungen anschaut, dann sind wir – Verzeihung – die Obercoolen dort. Die Frage ist also eher, ob die Leute das auch mitmachen. Bei Silbereisen sind von sechs Millionen Zusehern 5,5 Millionen über 60 Jahre alt. Aber die Plattenfirma will mit uns auch eine Brücke zu jüngeren Menschen schlagen.

Gibt es denn so viele junge Leute, die Schlager hören wollen?

P: Ja. Die sind so 30 bis 40 Jahre alt und finden zum Beispiel Schlagerstars wie Helene Fischer ganz toll. 

S: Aber sicher laufen wir Gefahr, dass wir uns zwischen die Stühle setzen. Die Popleute sagen: Ne, das ist nicht Pop, das ist mir viel zu käsig. Die Schlagerleute sagen, das ist mir zu modern.

P: Das ist halt das Risiko, das wir eingehen. Aber sollte es aufgehen, haben wir eine kleine Nische für uns entdeckt.

Sie passen im Moment nicht einmal optisch in die Szene.

S: Also, es wird jetzt auch nicht passieren, dass wir da die Lederhose anziehen und dann sagen: Komm, jetzt singen wir ein Lied.

P: Ja, ja, sag das nicht. Wenn wir wirklich mal im Musikantenstadl auftreten sollten, dann ziehen wir natürlich eine Lederhose an. Man muss das auch mit Humor nehmen.

Auf dem Album sind Sie als Paar auf dem Cover zu sehen und die Lieder handeln von Liebe. Sind die Texte autobiografisch?


S: Zwei Freunde von uns haben die Songs geschrieben, dementsprechend sind sie nicht autobiografisch, aber sie sprechen uns aus der Seele.

War es denn von Anfang an klar, dass Sie Ihre Beziehung so in den Vordergrund stellen wollen?


S: Es ist einfach die Geschichte, die wir mitbringen. Und wir machen gemeinsam Musik, da liegt es natürlich auf der Hand, dass Leute wissen wollen, ob wir zusammen sind oder nicht. Aber es gibt klare Grenzen. Homestorys gibt es zum Beispiel nicht. Man muss auch einen Teil für sich behalten.

Aber Sie machen sich damit auch sehr angreifbar.

S: Sollte es wirklich einmal auseinandergehen, ist es ja nur eine Frage, wie man damit umgeht. Wir kennen uns schon so lange, sind seit sieben Jahren zusammen. Wir vertrauen einander.

P: Also, ich denke da gerade an Stefan Mross und Stefanie Hertel (zwei Schlagerstars, Anm.) Die haben sich auch getrennt und gehen jetzt halt getrennte Wege.

S: Du Schlagerfan! (lacht)

Warum haben Sie mit den Musicals überhaupt aufgehört? Ist Ihnen langweilig geworden?

S: Nein, eigentlich nicht. Wir haben ja tolle Stücke gespielt. Aber die Idee der CD war immer da und wenn wir sie nicht jetzt gemacht hätten, wäre es zu spät gewesen. Wir wollen ja irgendwann einmal eine Familie haben und da will ich nicht durch Deutschland tingeln und CDs promoten.

P: Wir haben eh zwei Jahre lang „Tanz der Vampire“ gespielt. Es ist auch wichtig, einmal den Kopf freizukriegen.

Also doch langweilig.

S: Sicher wird’s auch mal fad. Und auch anstrengend.

P: Weil man einem die Fadesse nicht ansehen darf. Die Leute zahlen viel für eine Karte, und sie haben das Recht, die gleiche Qualität zu sehen wie bei der Premiere. Nur du selbst hast das Stück halt schon 300-mal gespielt.

Können Sie denn wieder zurück?

S: Man fängt bei jeder Produktion wieder von vorn an. Musicals sind ja nicht darauf ausgelegt, Namen groß zu machen. Man braucht Leute, die den Job professionell erfüllen können.

P: Es werfen auch viele das Handtuch, weil ihnen das Berufsprofil zu anstrengend ist. Immer umziehen, nie wissen, wie es weitergeht. Und in Wien könnte ich im Moment nicht spielen. „Elisabeth“ war schon vorher besetzt und in „Sister Act“ gibt es keine Rolle für mich. Ich müsste nach Deutschland gehen.

Das neue Album von Marjan Shaki und Lukas Perman heißt „Luft und Liebe“ (Ariola) www.marjanundlukas.de

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.