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Mitgestalter zweifelt an Zentralmatura

Symbolbild
(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)
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Der für den Schulversuch zuständige Mathematik-Didaktiker Werner Peschek stellt nicht nur eine gelungene Vorbereitung in der Klasse infrage, sondern warnt auch vor Niveauverlust und fordert Übergangsregelungen.

Wien/Apa/Rovi/J.n. Zweifler an einer gelungenen Umsetzung der Zentralmatura gab es bereits viele. Nun kommt jedoch einer hinzu, der selbst für die Konzeption der neuen Mathematik-Reifeprüfung zuständig war: Werner Peschek, Mathematik-Didaktiker an der Universität Klagenfurt. Er stellt nicht nur eine gelungene Vorbereitung in der Klasse infrage, sondern schließt auch einen damit einhergehenden Niveauverlust nicht aus.

Seine Befürchtung: Um den politisch vorgegebenen Zeitplan einzuhalten, könnten die Ansprüche zurückgenommen werden. Nährboden für diese Annahme sind die Maßstäbe, die das für die Zentralmatura zuständige Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) anwendet. Denn während seine Forschergruppe die Beispiele für die zentrale Mathematikmatura auf Basis des Lehrplans, theoretischer Überlegungen und von Gesprächen mit Lehrern erstellte, berücksichtigt das BIFIE bei der Zusammenstellung der Aufgaben auch, was die Schüler derzeit bewältigen können. Sprich: Als Maßstab für den Schwierigkeitsgrad gilt nicht nur das, was die Schüler können sollen, sondern auch ihr derzeitiges Leistungsniveau. Letzteres wurde im Zuge der Feldtests erhoben. „Wenn Zentralmatura heißt, den Ist-Zustand zu zementieren, dann wäre das nicht nur Stillstand, sondern sogar ein Rückschritt“, sagt Peschek.

 

Keine Anpassung an Leistung

Auf Unverständnis stößt der Vorwurf beim BIFIE. Die Feldtests seien „auf keinen Fall vordergründig dazu da, die Zentralmatura an das bestehende Leistungsniveau anzupassen“, sagt Gabriele Friedl-Lucyshyn, Leiterin des Wiener BIFIE-Zentrums. Aber: Natürlich müsse darauf geachtet werden, dass die Beispiele „für die Schüler gut machbar sind“. Sie sollten weder zu schwer noch zu leicht sein. Unter anderem brauche es genau dazu die Feldtests.

Dass mit Werner Peschek ausgerechnet ein Experte Kritik übt, scheint für das BIFIE wenig überraschend. „Peschek war von Beginn an nicht wie wir vom Wert der Feldtestungen überzeugt“, sagt Friedl-Lucyshyn. Für Verärgerung bei Peschek könnte gesorgt haben, dass das BIFIE die Aufgabenentwicklung früher als geplant ins eigene Haus geholt hat.

An dem Start der Zentralmatura im Jahr 2014 will Peschek zwar nicht rütteln, eine ideale Vorbereitung sei im Bereich Mathematik bis dahin aber dennoch nicht möglich. Die Veränderungen in Mathematik seien eben größer als jene in Deutsch und den Fremdsprachen. Der Unterricht müsse sich grundlegend verändern und vermehrt auf das Verständnis der mathematischen Aufgaben abzielen. Dafür sei die Zeit bis 2014 aber zu kurz.

Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) empfiehlt er deshalb dringend, Übergangsregelungen zu schaffen. So könnte etwa in Klassen mit besonders vielen Nicht genügend der Beurteilungsmaßstab so gesenkt werden, dass maximal 30 Prozent der Schüler durchfallen. Allerdings müsse dann auch explizit geklärt werden, wie das schlechte Ergebnis zustande gekommen ist und wie es künftig verhindert werden soll.

 

„Riskantes Unternehmen“

Der vom Ministerium engagierte Experte hat noch mehr Forderungen: Es müsse mehr Mut zur Ehrlichkeit geben. „Die Zentralmatura ist zumindest in den ersten Jahren ein riskantes Unternehmen, und das sollte man auch sagen“, so der Didaktiker.

Das Ministerium will der Verunsicherung derweil mit freiwilligen „Kompetenzchecks“ in der siebten und achten Klasse der AHS sowie mit einer Probematura entgegenwirken. Seit vergangenem Dienstag ist auch die Reifeprüfungsverordnung veröffentlicht, in der Details bis zur Verwendung des Taschenrechners geregelt sind. Schmied versichert, dass die Vorbereitungen zur Mathematik-Klausur „auf Hochtouren laufen“. Sie räumt aber ein, dass man „sicherlich noch zulegen“ müsse, und kündigte eine Infokampagne an.

Auf einen Blick

Bei der Zentralmatura müssen ab dem Schuljahr 2013/14 an den AHS und ein Jahr später an den BHS alle Schüler am selben Tag identische Aufgaben in Deutsch, Mathematik und den Fremdsprachen lösen. Kritik an der Vorbereitung gab es im Bereich Mathematik. Nun stellt sogar einer der zuständigen Experten den Start 2014 infrage.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.06.2012)