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Sanierungsmeister im Norden

(c) EPA (PEKKA SIPOLA)
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Finnland hat sich zum AAA-Land hochgearbeitet. Estland stand vor drei Jahren noch vor der Pleite, heute ist es ein Musterschüler mit der niedrigsten Verschuldung.

Kopenhagen. Wenn Angela Merkel nach Freunden sucht, die ihren Sparkurs befürworten, dann kann sie die im Norden der Eurozone finden. Finnland und Estland haben – zu verschiedenen Zeitpunkten und unter völlig unterschiedlichen Voraussetzungen – ihre Haushalte so streng saniert, dass sie nicht die geringste Lust verspüren, sich ihre Errungenschaften von südeuropäischen Launen verderben zu lassen.

Finnland hat den Schuldenabbau schon Anfang der 1990er-Jahre geschafft und seither streng darüber gewacht, alle Stabilitätskriterien einzuhalten. So zählen die Finnen nun zum erlauchten Kreis der Triple-A-Länder, die von den Ratingagenturen Bestnoten erhalten. Hatte bei den letzten Wahlen vor gut einem Jahr der Höhenflug der EU-feindlichen „Wahren Finnen“ große Euro-Skepsis angedeutet, so sieht die Stimmungslage jetzt wieder ganz anders aus. 55 Prozent sprachen sich zuletzt positiv über die EU aus (2011: 37%). Das war ein Rekordwert, und besonders die Jüngsten und die Ältesten befürworten die Gemeinschaftswährung.

Um den Haushalt stabil zu halten, muss die Regierung die Bilanz um 2,7 Milliarden Euro stärken, die sie teils mit Sparmaßnahmen bei Kinderbeihilfen, im Schul- und Gesundheitswesen einbringt, teils durch Steuererhöhungen. Die Mehrwertsteuersätze werden um je einen Prozentpunkt auf 24 Prozent angehoben. Außerdem gibt es eine temporäre Solidaritätsabgabe auf Einkommen über 100.000 Euro jährlich und große Pensionen und Erbschaften.

Auch Estland hat Spitzenwerte vorzuweisen: niedrigste Verschuldung, Haushalt mit schwarzen Zahlen, das größte Wachstum der Eurozone. Dabei stand Estland vor nur drei Jahren am Rand der Pleite. Doch mit radikalen Einschnitten, Lohnkürzungen um bis zu einem Drittel im öffentlichen Dienst, gekürzten Investitionen und Sozialleistungen kam man wieder auf die Beine, und zu Anfang 2011 krönte Tallinn die Rosskur mit der Einführung des Euro.

Die Esten schluckten die bittere Kost: der strikt wirtschaftsliberale Kurs hat in einem einst von Planwirtschaft geplagten Land bessere Chancen als anderswo. Nicht, dass die Esten jubeln würden über ihre Regierung, doch bei den Parlamentswahlen vor gut einem Jahr konnte sich die regierende Rechts-Koalition im Amt behaupten.

Grafik: Die Presse

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2012)