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Das Sackerl ist der feschere Kuli

Sackerl feschere Kuli
(c) Pichler
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Kaum eine Veranstaltung, die auf sich hält, kommt heutzutage noch ohne sie aus: EigeneStofftaschen fungieren als Event-Memorabilia und Werbeträger.

Viele warten jedes Jahr auf die Viennale im Oktober; manche vielleicht gleich ungeduldig auf ihr Filmprogramm wie auf die Enthüllung von Farbe und Design der begleitenden Tasche. Vor zwei Jahren versuchte sich gar der Designer und „Angewandten“-Modeprofessor Bernhard Willhelm an ihr; für die einen wurde sein Entwurf zum Sammlerstück, für die anderen war er ein buntgestreifter Weggucker. Fest steht aber: Das Event und seine Tasche funktionieren als Paar. Und das gilt nicht nur für das Wiener Filmfestival. Am schönsten ist das Ergebnis freilich, wenn die Gestaltungs- und Kooperationsideen viel Platz bekommen. Dann profitieren nämlich Veranstalter und Kreative.

„Das Sujet unserer Stofftasche stammt aus Sofie Thorsens Festivaltrailer Schnitt A–A?“, beschreibt Diagonale-Marketingleiterin Michaela Kienleitner die Tasche, die 2012 aufgelegt wurde. Auch das Animationsfestival „Tricky Women“ präsentierte sich mit seinem eigenen Sackerl. „Nun wird auch international mit diesem Sujet geworben“, erklärt Festivaldirektorin Birgitt Wagner. Die Diagonale-Tasche wiederum ist dermaßen begehrt, dass die Veranstalter noch einen Schritt weiter denken – in Richtung Designwettbewerb. Ein vergleichbares Ideenfinden wird gerade im Rahmen der Wiener Festwochen im Donauzentrum veranstaltet. Über die Entwürfe der „Kulturträgerin“-Tasche von Schülern der Modeschule Wien in Hetzendorf können Besucher des Einkaufszentrums vor Ort und via Facebook abstimmen.

Bauernhof und Modesommer. „Stofftaschen sind ein wichtiges Mittel, um eine Ästhetik zu transportieren, die man sich als Designerin geschaffen hat“, sagt Petra Kräutner, Designerin des Batik-Labels „Pebelle“, und betont auch praktische Aspekte. „Wichtig ist zum Beispiel, dass die Tasche diverse Maschinenwäschen übersteht.“ Kräutner entwarf 2011 die Tasche für das Fashion Camp, ein Blogger-Event in Wien, und wurde gerade erst von einem Biobauernhof beauftragt, ein Stoffsackerl zu entwerfen.

Eine nicht minder illustre Beiträgerin wurde für das bis Dienstag andauernde „12festival for fashion & photography“ tätig. Die Künstlerin Elke Silvia Krystufek, die auch die Festivalkampagne gestaltete, entschied sich für ein poetisches Statement zu Mode im arabischen Raum: Krystufeks Text ist so lang, dass er sich fortlaufend über drei Taschen erstreckt, die an Kunden des Festivalshops verteilt werden. Modeaffine Sackerlsammler werden auch beim „Summer of Fashion“ im Museumsquartier auf ihre Kosten kommen (Start am 15.Juni). Zwei Modelle wurden aus Entwürfen der Studenten der Modeklasse der Universität für angewandte Kunst ausgesucht „und in einer kleinen Stückzahl in Wien produziert“, erzählt Daniela Enzi, die noch bis Herbst für das MQ-Marketing zuständig ist. „Es ist dies ein Designprodukt, das wir im MQ-Point verkaufen werden.“ Und zwar über den Summer of Fashion hinaus.


Taschen allerorts. Die nächste im Bunde der Sackerlträger ist Bernadette Schmatzer, Mitorganisatorin des Feschmarkts. „Unsere Taschen beziehen wir im Moment von einem kleinen Produzenten in Oberösterreich“, erzählt sie. Ihre Kollegin Katrin Hofmann unterstreicht hingegen, dass die frech beschrifteten Feschmarkttaschen „Ausdruck einer Vereinigung von gemeinsamer Freude am Thema Kreativität und Kultur darstellen“ sollen.

Die Feschmarkt-Sackerln – die man im Rahmen eines DIY-Workshops auch gleich selbst gestalten kann – werden vor Ort als sogenannte Wundertüten, gefüllt mit diversen Produkten, verkauft. Sie waren bereits mit Sprüchen wie „Fischers Fritz fischt fesche Fische!“ und „Zieh dir was an, es wird fesch!“ versehen. „Ich hatte schon Anfragen aus Deutschland und der Schweiz bezüglich der Tasche, das spricht sich schon ein bisschen herum“, freut sich Schmatzer über die Beliebtheit, denn sie wollten „unbedingt ein außergewöhnliches Merchandisingprodukt haben“.

„Meine Shopper Tote Bags sind aus 100 Prozent „Global Organic Textile Standard“ zertifizierter Biobaumwolle“, erklärt Tom Kaisersberger, Inhaber des Shops „Guter Stoff“. Sie sind außerdem „klimaneutral und unter fairen Bedingungen hergestellt“ und werden direkt vom Hersteller, der ein Warenlager in Berlin unterhält, bezogen. Bei „Guter Stoff“ wurde etwa die „Tricky Women“-Festival-Tasche bedruckt. Direktorin Waltraud Grausgruber war die nachhaltige Komponente wichtig: „Dass das Produkt möglichst ökologisch hergestellt und fair gehandelt sein muss, war eine Voraussetzung.“

Auch für die Diagonale ist Nachhaltigkeit ein Thema, die Tasche trägt das Label „Earth Positive“: Dieses stehe für „umweltfreundlich produzierte Textilien, die unter Einhaltung fairer und sozialer Standards verarbeitet werden“, erklärt Michaela Kienleitner. Sie wollte außerdem ein „nachhaltiges Werbemittel produzieren, das über die Festivalwoche hinaus im Einsatz ist“.

Immer dabei. Die Stofftaschen sind nicht nur einfach Einkaufstasche, sondern vielfach zum Kultobjekt avanciert. Nicht umsonst bezeichnet man sie beim Wettbewerb zu den Wiener Festwochen als Kulturträgerin. „Solche Sackerln werden auch von Männern gern verwendet“, ist sich Tom Kaisersberger sicher. Für Petra Kräutner sind die Taschen „umweltschonend, leicht mitzunehmen und vielfältig verwendbar“. Und das „Tricky Women“-Team schickt nach, dass „es nur Sinn hat, einen Marketingartikel produzieren zu lassen, wenn dieser auch sinnvoll und gern im Alltag eingesetzt wird“. Fazit: Je florierender die kreative Eventkultur, desto eher verschwinden die Plastiksackerl aus dem Supermarkt. .

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.06.2012)