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Schmied muss Zentralmatura verschieben

(c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)

Unterrichtsministerin Schmied beugt sich dem Druck: Die zentrale Reifeprüfung an den Gymnasien wird auf das Schuljahr 2014/15 verschoben. Für die Gewerkschaft ist auch der neue Termin nicht in Stein gemeißelt.

Wien. Die Kritik von Schülern, Lehrern und Eltern hat Wirkung gezeigt. Lange pochten sie ob der angeblich unzureichenden Vorbereitung der Zentralmatura auf eine Verschiebung. Nun lenkt Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) ein: Die Zentralmatura wird ein Jahr später starten als geplant.

An den Gymnasien findet die erste zentrale Reifeprüfung demnach nicht im Schuljahr 2013/14, sondern erst 2014/15 statt. An den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) wird der Start von 2014/15 auf 2015/16 verschoben.

Mit dieser Entscheidung weicht die Unterrichtsministerin von ihrem bisherigen Kurs ab. Denn trotz anhaltender Kritik schloss sie einen späteren Start stets dezidiert aus. Gestern, Montag, musste es dann aber schnell gehen. Bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz gab sie die Verschiebung gemeinsam mit ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon, seinem SPÖ-Pendant Elmar Mayer sowie allen Schulpartnern (Schüler-, Lehrer- und Elternvertreter) bekannt. Dass sie nun einlenkt, hänge mit den Erfahrungen zusammen, die sie bei ihrer Dialogreise durch die Bundesländer gemacht habe, sagt Schmied. „Die Probleme sind mir nicht verborgen geblieben.“ Während die Vorbereitungen an manchen Schulen gut liefen, gebe es an anderen Probleme bei der Umsetzung.

 

Früherer Start als Option

Schlussendlich hat man sich auf politischer Ebene dazu durchgerungen, den Schulpartnern ein Angebot zu machen. Jene Standorte, die sich bereits ausreichend vorbereitet fühlen, sollen mit der Zentralmatura wie bisher geplant 2014 (AHS) bzw. 2015 (BHS) beginnen können, alle anderen sind erst ein Jahr später zur Durchführung verpflichtet. Die Entscheidung darüber, ob sich eine Schule schon beim bisher geplanten Termin fit für die Zentralmatura fühlt, soll direkt an den Schulen getroffen werden. Dabei müssen jeweils zwei Drittel der Eltern-, Schüler- und Lehrervertreter der Schule zustimmen. Eine vergleichsweise große Hürde. Angesichts der allgemeinen Stimmungslage bleibt zu bezweifeln, dass sich viele Schulen freiwillig für den früheren Starttermin entscheiden. Noch vor dem Sommer sollen entsprechende Initiativanträge im Parlament eingebracht werden, in denen die Details geregelt werden, kündigte Schmied an. An den einzelnen AHS-Standorten sollte dann spätestens am Ende der siebten Klasse darüber entschieden werden, ob im folgenden Schuljahr an der zentralen Reifeprüfung teilgenommen wird. Von den Schulpartnern gab es dafür Applaus.

Doch was lief bei der Vorbereitung der Zentralmatura schief? Auf diese Frage wollte die Unterrichtsministerin keine Antwort geben. Derartige Überlegungen wolle sie gar nicht anstellen. Nur so viel: „Mir persönlich geht es oft zu langsam.“ Immerhin sei das Gesetz, mit dem die Einführung der Zentralmatura beschlossen wurde, bereits im Jahr 2009 abgesegnet worden. Dass der Zeitplan nicht eingehalten werden konnte, sei aber weder die Schuld des zuständigen Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) noch jene der Lehrer.

 

Lehrer weiter vorsichtig

Nun gehe es darum, die gewonnene Zeit optimal zu nutzen. Dabei appelliert Schmied vor allem an die Lehrer. Sie erwarte sich, dass die Vorbereitungen ernst genommen werden. Diese pochen wiederum auf eine bessere inhaltliche Vorbereitung der Mathematikmatura sowie auf eine Überarbeitung der Beurteilungskriterien.

Während der neue Starttermin für die Ministerin in Stein gemeißelt ist, bleiben die Lehrer- und Elternvertreter vorsichtig. Der Termin 2014 sei nicht unumstößlich, aber „ich hoffe, dass sich das ausgeht“, so AHS-Lehrergewerkschafter Eckhard Quin. Man werde die Vorbereitungen „sicherlich genau verfolgen und kritisch beobachten“, pflichtet Elternvertreter Theodor Saverschel bei.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.06.2012)