Erste Group, RBI und UniCredit Bank Austria nehmen die Ratingherabstufung durch Moody's ebenso gelassen wie Notenbank-Chef Nowotny.
Wien/Ag. Die Reaktion war gelassen, von Nervosität nichts zu spüren: „Das kommt nicht überraschend und das soll man auch nicht überbewerten“, sagte Notenbank-Chef Ewald Nowotny zur Rückstufung der drei österreichischen Großbanken Erste Group, RBI und Unicredit Bank Austria durch die Ratingagentur Moody's. Schließlich seien auch sieben deutsche Banken herabgestuft worden, räumte Nowotny ein.
Die Ratingagentur Moody's hat in der Nacht zum Mittwoch die Bonität für die Raiffeisen Bank International und die UniCredit-Tochter Bank Austria um je eine Stufe auf „A2“ bzw. „A3“ herabgesetzt, die für die Erste Group um zwei Stufen auf „A3“. Als Grund nennt Moody's das starke Engagement der österreichischen Institute in Zentral- und Osteuropa. Die Analysten kritisieren die im Vergleich zur europäischen Konkurrenz geringen Kapitalpuffer der österreichischen Banken. Zwar hätten sie diese in jüngster Zeit aufgestockt. Bei einer Verschlechterung des Umfelds könnte die wachsende Zahl an faulen Krediten jedoch zum Problem werden. Dennoch erwartet Moody's-Analyst Mathias Külpmann, dass Österreichs Banken bis Jahresmitte die von der europäischen Aufsicht EBA geforderte harte Kernkapitalquote von neun Prozent erfüllen. Er hält auch das Geschäftsmodell mit osteuropäischen Netzwerkbanken für sehr haltbar und profitabel.
„Ostexpansion ist Erfolgsstory“
Die Bedenken von Moody's teilen weder der Notenbank-Chef noch die betroffenen Banken. Sie erwarten keine Verteuerung bei der Aufnahme neuer Schulden, da der Markt bereits mit einer schlechteren Note für die Kreditwürdigkeit gerechnet habe. Es gebe zwar Probleme, insgesamt handle es sich bei der Ostexpansion aber um eine Erfolgsstory, betonte Nowotny, weil die heimischen Institute in überwiegend stabilen Märkten in Osteuropa tätig seien, in denen es für die kommenden Jahre gute Wachstumsaussichten gebe. Das Risiko sei „beherrschbar“, auch weil schon viele Maßnahmen zur Risikobegrenzung mit der Bankenaufsicht gesetzt worden seien.
WU-Bankenexperte Stefan Pichler gab ebenfalls Entwarnung: Er sieht in den Herabstufungen keinen Anlass zu besonderer Sorge. Österreichs Banken seien sicher, gut, stabil, und mit einem gut funktionierenden Geschäftsmodell ausgestattet, sie hätten aber noch einiges zu tun, betonte Finanzstaatssekretär Andreas Schieder von der SPÖ.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2012)