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Insider: Spanien beantragt am Wochenende Hilfsgelder

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(c) EPA (Federico Gambarini)

Die Regierung will für die angeschlagenen Banken am Samstag Finanzhilfen beantragen, sagen EU-Vertreter. In einem IWF-Gutachten wird der Bedarf mit weniger als 50 Milliarden Euro veranschlagt.

Die spanische Regierung will offenbar am Wochenende Finanzhilfen aus dem europäischen Rettungsfonds EFSF für die angeschlagenen Banken des Landes beantragen. Dies sagten mehrere mit dem Vorgang Vertraute der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. "Die Ankündigung wird für Samstagnachmittag erwartet", so ein EU-Vertreter. Zuvor werde in einer Telefonkonferenz der Euro-Gruppe über Einzelheiten gesprochen.  Er betonte, bis zur Wahl in Griechenland am 17. Juni müsse eine Lösung für Spanien gefunden werden. Ein möglicher Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone könnte für zusätzliche Unruhe im Markt sorgen.

Die Kommission konnte den Bericht noch nicht bestätigen, ist aber auf das Hilfsgesuch vorbereitet. Ein Sprecher erklärte: "Falls ein Antrag kommen sollte, stehen die passenden Instrumente bereit und können gemäß den vereinbarten Leitlinien eingesetzt werden". Die spanische Regierung hat jedoch Berichte zurückgewiesen, nach denen telefonische Beratungen der Eurogruppe über Finanzhilfen für Spanien am Wochenende stattfinden sollen. "Ich weiß nichts über eine solche Telefonkonferenz", sagte die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Madrid.

Die spanische Regierung hatte zuvor angekündigt, ein IWF-Gutachten über den Finanzbedarf der Banken abwarten zu wollen und dann über die Hilfsgelder zu entscheiden. Freitagfrüh sickerten erste Ergebnisse aus dem Gutachten durch. Demnach brauchen die Banken weniger als 50 Milliarden Euro (mehr dazu ...). 

Nowotny: Hilfen in "massiver Größenordnung"

Spanien sollte sich möglichst bald um Hilfe ansuchen, sagte der österreichische Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny am Freitag. Denn: "Je länger die Dinge aufgeschoben werden, desto teurer können sie werden". Über die Summen, um die Spanien ansuchen werde, wollte Nowotny nicht spekulieren, es handle sich aber sicher um eine "massive Größenordnung". Die Eurozone habe Instrumente für einen solchen Fall zur Verfügung, erklärte Nowotny. Er sagte aber auch, dass die Tatsache, dass der permanente Rettungsschirm derzeit nur von wenigen Ländern ratifiziert sei, ihm Sorgen bereite.

Der Nowotny wollte nicht direkt beantworten, ob eine Spanien-Hilfe über eine Kapitalspritze an den dortigen Bankenrestrukturierungsfonds FROB erfolgen könnte. Er machte in einem anderen Zusammenhang aber klar, dass die Rettungsschirme - wie auch der Internationale Währungsfonds (IWF) - nur unter Auflagen Geld vergeben könnten. Es handle sich dabei um eine eine "Hilfe zur Selbsthilfe" und eine "Zwischenfinanzierung". Jeder Schuldner "würde es vorziehen Geld geschenkt zu bekommen, aber das sind nicht die Regeln".

Sechs Prozent Zinsen für zehnjährige Anleihe

Der spanische Finanzminister Cristobal Montoro hatte Anfang der Woche erstmals offen eingeräumt, dass die Tür zum Kapitalmarkt beim aktuellen hohen Renditeniveau für Spanien praktisch geschlossen sei. Das heizte Spekulationen weiter an, Spanien müsse nach Irland, Portugal und Griechenland ebenfalls unter den Euro-Rettungsschirm flüchten.

Dennoch gelangt es dem Land am Donnerstag, eine zehnjährige Anleihe am Markt zu platzieren. Spanien holte sich 2,1 Milliarden Euro und musste dafür "nur" 6,044 Prozent Zinsen zahlen (mehr dazu ...).

(Ag.)