Innsbrucker und Wiener Forscher haben ein in der Vergangenheit ziemlich erfolgreiches Rechenmodell mit Daten zur Euro 2012 gefüttert.
Die Wissenschaft hat natürlich auch keine Kristallkugel – ansonsten wären Forscher ja reiche Menschen (und würden nicht mehr forschen). Aber mit wissenschaftlichen Methoden lässt sich dennoch vieles klarer sehen – auch was die Zukunft anbelangt.
Eine Gruppe von Statistikern der Uni Innsbruck und der Wirtschaftsuni Wien hat berechnet, dass Spanien mit einer Wahrscheinlichkeit von 25,8 Prozent Europameister 2012 wird. Hervorragende Chancen hat auch Deutschland (22,2 Prozent). Dann kommt lange nichts: Für die Niederlande geben die Forscher eine Gewinnchance von 11,3 Prozent an, es folgen England (8,0 Prozent), Frankreich (6,9 Prozent) und Italien (5,9 Prozent).
Hinter diesen Zahlen steht ein ausgefuchstes statistisches Rechenmodell, das den Turnierverlauf in zweifacher Hinsicht nachvollzieht: Zum einen wurden die Ergebnisse aller möglichen direkten Duelle zwischen den teilnehmenden Mannschaften geschätzt. Zum anderen wurde aber auch berücksichtigt, dass manche Gruppen stärker sind als andere – und es wurde zudem darauf geachtet, dass die Bestplatzierten einer starken Gruppe danach im Viertelfinale auf Mannschaften aus einer schwächeren Gruppe treffen.
Die Grundlage für alle Berechnungen bildeten Quoten von 23 Online-Wettanbietern, die um die Gewinnmargen der Wettbüros bereinigt wurden. Um verlässliche statistische Aussagen treffen zu können, wurden im Computer 100.000 Turnierverläufe simuliert.
Freilich: Die Schlüsse sind nur statistisch, sicher ist dabei gar nichts. Allerdings hat dieses Rechenmodell bei den vorigen beiden Fußballgroßereignissen besser funktioniert als konkurrierende Modelle: Bei der WM 2010 wurde Spanien korrekt als Weltmeister vorhergesagt, bei der Euro 2008 war immerhin die Prognose des Finalspiels (Deutschland gegen Spanien) richtig.
Ob die Forscher selbst Geld auf eines der Teams gesetzt haben, haben sie leider nicht verraten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.06.2012)