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Schafhausen: Die Kunsthalle hat einen neuen Direktor

Schafhausen Kunsthalle einen neuen
Kunsthalle Wien: Schafhausen übernimmt LeitungAPA
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Der 47-jährige Nicolaus Schafhausen ist einer der erfolgreichsten Kunstmanager im europäischen Museumsbetrieb. In Wien folgt er nun Gerald Matt nach.

Der deutsche Kurator und Kunsthistoriker Nicolaus Schafhausen ist ab 1. Oktober für zunächst fünf Jahre für das künstlerische Programm der Kunsthalle Wien verantwortlich. Der erfahrene Ausstellungsmacher und Kunstmanager aus Düsseldorf ist am Donnerstag von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) der Öffentlichkeit als Nachfolger des umstrittenen Direktors Gerald Matt vorgestellt worden. Die Ernennung stelle den "Schlussstein" in der Neustrukturierung der Kunsthalle dar, so der Stadtrat, aus dem Bewerbungsprozess sei er "als Bestgeeigneter hervorgegangen". Schafhausen ist sich der turbulenten Vergangenheit des Hauses bewusst: "Ich habe immer sehr gerne Probleme gelöst."

"Jenseits des Skandals"

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Matt und den ehemaligen Vorstand des damaligen Trägervereins der Kunsthalle interessieren ihn auf einer "abstrakten" Ebene, wie Schafhausen meinte. "Vielleicht mache ich eine Ausstellung zu Recht und Demokratie." Er wolle sich aber auf jeden Fall nicht die kommenden fünf Jahre mit den Altlasten herumschlagen, sondern die Kunsthalle sichtbarer und bekannter machen - "jenseits des Skandals" und "gemeinsam mit den Mitarbeitern". Schafhausen hatte sich gegen 66 weitere Bewerber durchgesetzt. An der Spitze der Kunsthalle steht er künftig gemeinsam mit der kaufmännischen Leiterin Ursula Hühnel-Benischek.

Der Senkrechtstarter

1965 in Düsseldorf geboren, studierte Schafhausen Kunstgeschichte in Berlin und München. Er gründete die zunächst in Berlin, dann in Köln ansässige Galerie Lukas & Hoffmann, wo er späteren Kunststars wie Olafur Eliasson oder Carsten Höller zum Durchbruch verhalf. Er leitete das Künstlerhaus Stuttgart und den Frankfurter Kunstverein, war Direktor der European Kunsthalle in Köln sowie zuletzt des zeitgenössischen Kunstzentrums Witte de With in Rotterdam. Zweimal kuratierte er den deutschen Beitrag zur Biennale in Venedig. Im deutschen Feuilleton kennt man Schafhausen als Senkrechtstarter, der sich nicht davor scheut, anzuecken.

Diskursive Themen provokanten Ursprungs

Für das Haus im Museumsquartier sollen nun einmal Ideen entwickelt werden. "Mich interessieren diskursive Themen, die provokanten Ursprungs sein können, ohne dann populistisch zu sein." Vorstellen könnte er sich eine Ausstellung mit dem französischen Autor Michel Houellebecq zur "Möglichkeit einer Insel", weil er das wohlhabende Wien beinahe als Insel wahrnehme. Die Stadt habe sich in den vergangenen 20 Jahren sehr verändert, aber noch keine zeitgenössische Identität gefunden und keine Visionen formuliert. Auch das könnte ein Ausstellungsthema werden. Das Videoarchiv der Blickle Stiftung sähe er dagegen im 21er Haus des Belvedere besser aufgehoben.

Causa Matt: Die Behörden sind am Zug

"Mit Nicolaus Schafhausen ist es uns gelungen, einen der erfolgreichsten Kunstmanager Europas für Wien zu gewinnen", freute sich Mailath-Pokorny, der für die Kunsthalle eine "interessante, aufregende, auf jeden Fall gesicherte Zukunft" prognostizierte. Er bringe "gute Voraussetzungen mit, um ein zeitgenössisches, städtisches Ausstellungshaus in Wien leiten zu können". Hinsichtlich der Prüfberichte und der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wiegelte Mailath-Pokorny dagegen ab. "Es gibt mittlerweile Regale von Prüfberichten, nun sind die Behörden am Zug." Von einer Veröffentlichung sehe man ab, da sich in den Berichten Daten fänden, die teilweise auch dem Personen- und dem Datenschutz unterliegen.

Info

Die Causa Gerald Matt nimmt im April 2011 ihren Anfang. Im Nachrichtenmagazin "profil" erscheinen erstmals Vorwürfe gegen den Direktor der Wiener Kunsthalle, Gerald Matt: Dieser habe Mitarbeiter seines Hauses eingesetzt, um private Aufträge abzuwickeln. In der Folge entwickelt sich ein reger Schlagabtausch zwischen Kunsthalle, Wiener Stadtregierung und Opposition. Weitere Vorwürfe tauchen auf: Matt habe Kunstmäzenen Staatsbürgerschaften in Aussicht gestellt oder für Nebentätigkeiten Kunsthallen-Ressourcen in Anspruch genommen. Während Gutachten den Direktor immer wieder entlasten, wird Ende Mai der leitende Kurator Thomas Mießgang "aus schwerwiegenden Gründen" fristlos entlassen. Im Herbst wird eine Neuorganisation der Kunsthalle als GmbH inklusive Aufsichtsrat angekündigt.

(APA)