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Schule und Migranten: Schwänzen ist größtes Problem

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(c) Clemens Fabry
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Als "Einstieg in den Bildungsausstieg" wird das Schulschwänzen in einer Studie zum Thema Migranten und Schule bezeichnet. Schulbehörden sollen verpflichtet werden, Daten zu sammeln.

Entschiedene Maßnahmen gegen das Schulschwänzen empfiehlt eine am Donnerstag präsentierte Studie zum Thema Migranten und Schule. Außerdem elementar seien die Verlagerung der Schulempfehlungen für AHS-Unterstufe oder Hauptschule von den Lehrern zu schulunabhängigen Kommissionen sowie eine stärkere Einbeziehung der Eltern.

Die vom Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) durchgeführte Untersuchung plädiert etwa für eine stärkere Information der Eltern über das Bildungssystem, die Thematisierung von Geschlechterrollen in der Familie sowie die "Förderung der Artikulationsfähigkeit" der Kinder. Dazu sollen Eltern mit diesen nicht unbedingt Deutsch sprechen, sondern jene Sprache, "die sie so gut beherrschen, um sich selbst differenziert ausdrücken zu können".

Schwänzen ist das größte Problem

Als "wesentliche Schwachstelle des Schulsystems" ortet die Studie die "organisierte Unverantwortlichkeit beim Umgang mit Schulabsentismus", also dem Schwänzen. Dieses wird als "Einstieg in den Bildungsausstieg" bezeichnet. Als Maßnahme empfiehlt Studienautor Bernhard Perchinig die verpflichtende Einschaltung von Schulsozialarbeitern nach mehrmaligem, auch entschuldigtem Fernbleiben von der Schule. Schulbehörden sollen verpflichtet werden, "Daten über alle Schüler zu sammeln, die nach dem Ende der Schulpflicht wegen Schulabsentismus keine Ausbildung oder Schule besuchen und diese Informationen an die Schulsozialarbeiter und Arbeitsämter weiterzuleiten". Rechtlicher Rahmen dafür solle eine Schul- oder Ausbildungspflicht bis zur Volljährigkeit sein. Besonderes Augenmerk müsse dabei auf junge Männer gelegt werden.

Zur "optimalen Ausschöpfung der Begabungspotenziale" wird vorgeschlagen, die Schulempfehlungen für den Übertritt von der Volksschule in die AHS-Unterstufe bzw. Hauptschule nicht mehr den Volksschullehrern zu überlassen, sondern an schulunabhängige Kommissionen auszulagern. Derzeit würden diese "oft nicht aufgrund der Leistungen und Potenziale der Kinder, sondern aufgrund einer 'sozialen Prognose' erfolgen". Lehrer gingen davon aus, dass Kinder aus Migrantenfamilien daheim zu wenig Unterstützung für die AHS bekämen und würden daher eher empfehlen, das Kind in der Hauptschule anzumelden. Die Eltern wiederum würden dem "aufgrund mangelnden Wissens um ihre Rechte" meist nachkommen.

"Bildungscoaches" sollen Schüler begleiten

Ab der Hauptschule bzw. AHS-Unterstufe sollen Schüler wiederum "Bildungscoaches" bekommen, die über Bildungswege und Berufsausbildungen informieren und mit ihnen "Bildungspläne" ausarbeiten. Die Coaches sollen die Kinder und Jugendlichen auch nach deren Übertritt in eine höhere Schule bzw. in die Berufsausbildung begleiten.

Die Elternarbeit selbst soll laut Studie "aufsuchend" gestaltet werden. Informiert werden müsse dabei neben dem Aufbau des Bildungssystems auch über das Konzept der Schulpartnerschaft und die Rechte der Eltern gegenüber der Schule. Thematisiert werden solle auch Erziehungsstil und Geschlechterrollen - so wirke sich etwa eine Erziehung im Sinn traditioneller Geschlechtsrollenbilder negativ auf den Bildungsaufstieg der Kinder aus.

Für die Studie wurden qualitative Interviews mit Experten aus Schule und Jugendarbeit sowie Gruppengespräche mit "erfolgreichen" und "weniger erfolgreichen" Jugendlichen gemessen am Bildungserfolg geführt.

(APA)