Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Angst vor Euro-Aus: Griechen räumen ihre Konten

Angst EuroAus Griechen raeumen
EPA/ORESTIS PANAGIOTOU
  • Drucken

Die griechischen Sparer wappnen sich kurz vor den Wahlen für den Ernstfall. Täglich werden 500 bis 800 Millionen Euro abgehoben.

Die Griechen haben kurz vor der Parlamentswahl in wachsender Zahl ihre Konten geräumt und sich mit Hamsterkäufen für einen Ausstieg aus dem Euro gewappnet. Allein von den Sparkonten der größten Institute des Landes wurden jüngst pro Tag 500 bis 800 Mio. Euro abgezogen, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch von mehreren Bankern erfuhr. Bei einem Sieg der Reformgegner am Sonntag droht dem vom Ausland seit Mai 2010 über Wasser gehaltenen Euro-Mitglied die Pleite und womöglich die Rückkehr zur ungeliebten Drachme. Auch die Banken in Deutschland rüsten sich für den Ernstfall - den ersten Austritt eines Landes aus der Euro-Zone.

"Die Menschen schreckt die Aussicht auf eine Rückkehr der Drachme", sagte der Chef des Einzelhandelsverbandes, Vassilis Korkidis, in Athen. Hamsterkäufe seien aber nicht die Lösung. "Man darf nicht in Panik verfallen. Wenn man den Kasten mit Lebensmitteln füllt, entgeht man der Krise dennoch nicht." Die nervöse Stimmung in der Bevölkerung wurde von Gerüchten angeheizt, die radikale Linke unter ihrem charismatischen Anführer Alexis Tsipras werde die Wahl klar gewinnen und die über Jahrzehnte als Weichwährung verrufene Drachme stehe vor einem Comeback.

Dramatischer Aderlass im Vorjahr

Die langjährige Zitterpartie um den Euro-Wackelkandidaten Griechenland hat bei den Banken des südeuropäischen Landes zu einem dramatischen Aderlass geführt: Nach Daten der Zentralbank schmolzen allein im vorigen Jahr 17 Prozent der Einlagen ab. In den vergangenen Tagen hätten auch Kunden bei kleineren Banken ihre Konten geplündert, hieß es in Bankenkreisen. Zwischen zehn und 30 Millionen Euro seien dabei täglich auch bei den kleineren Instituten abgehoben worden.

In Athen erklärte ein Banker, der hohe Abfluss der Einlagen sei für die Geldhäuser beherrschbar, da ihnen die Europäische Zentralbank (EZB) entsprechende Summen bereitstelle. Doch die Krise lässt nicht nur in Athen, sondern auch in den Finanzzentren der Welt die Alarmglocken schrillen: "Wenn sich ein solches Ergebnis abzeichnet, glühen in den Frankfurter Bankentürmen am Sonntagabend die Telefondrähte", sagte ein Manager eines großen deutschen Geldhauses voraus. Dann werde voraussichtlich jedes Institut, aber auch jedes andere Unternehmen rasch Notfallpläne besprechen.

Im Zuge der Schuldenkrise deponieren auch mehr Griechen Geld auf Schweizer Bankkonten. Eine regelrechte Kapitalschwemme ist in der Statistik der Schweizerische Nationalbank zum Jahr 2011 aber nicht erkennbar. Die Verpflichtungen der 82 im Auslandsgeschäft tätigen Schweizer Banken in Griechenland erreichten rund 4,31 Milliarden Franken. Im Vorjahr waren es 2,82 Milliarden Fr. gewesen. Die Verpflichtungen gegenüber griechischen Kunden in Spar- und Anlageform stiegen von 370 Millionen auf 547 Millionen Franken, die übrigen Verpflichtungen gegenüber griechischen Kunden von 2,31 Milliarden auf 3,66 Milliarden Franken.

(Ag.)