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Das Bankrottszenario: Mühsame Umstellung auf neue Währung

(c) Dpa/Tobias Kleinschmidt (Tobias Kleinschmidt)
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Sollte Griechenland die Eurozone verlassen, müsste Athen mehrere Hürden auf dem Weg zurück zur Drachme nehmen.

Wien/Athen/Ag./Aga. „Nicht um jeden Preis.“ Alexis Tsipras, Chef des radikallinken Bündnisses Syriza, würde Griechenland im Fall seines Wahlsieges aus der Eurozone führen, sollten die internationalen Geldgeber den vorgegeben Sparpakt nicht neu verhandeln wollen. Er bewegt sich damit auf dünnem Eis: Denn dass EU und Internationaler Währungsfonds (IWF) einer Aufweichung der Sparmaßnahmen zustimmen, ist derzeit mehr als ungewiss.

Schon seit einiger Zeit hält sich hartnäckig das Gerücht, die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank arbeiteten an Notfallplänen für den Griechen-Austritt; und auch die Euroländer tüftelten an Plänen für ein solches Szenario. Was wären die Konsequenzen, sollte Griechenland tatsächlich aus der Eurozone ausscheiden? Wie könnte die Währungsumstellung funktionieren?


Der Bankrott.Sollte keine Regierungskoalition zustande kommen, die den mit EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) vereinbarten Sparpakt billigt, könnten die internationalen Geldgeber ihre Zahlungen einstellen. Dann wäre der Staat spätestens im Sommer bankrott. Die Folge: Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte griechische Banken nicht mehr als Geschäftspartner bei ihren Refinanzierungsgeschäften akzeptieren, die Institute würden ebenfalls auf die Pleite zusteuern. Damit wäre das Ende des griechischen Finanzsektors in der Eurozone besiegelt und der Euro in Griechenland nicht mehr zu halten.

Die Umstellung. Die Banken des Landes müssten voraussichtlich für mindestens eine Woche geschlossen bleiben, um eine geordnete Umstellung auf die neue Währung zu ermöglichen. Dies wäre allein deshalb nötig, weil die technische Umstellung von Millionen Konten viel Zeit erfordert, aber auch, um eine Panik in der Bevölkerung und einen so genannten „Bank Run“ – also das panikartige Plündern der Konten – zu vermeiden. Auch der Kapitalverkehr mit dem Ausland stünde in dieser Zeit still. Die Notenbank in Athen, Hüterin der neuen Währung, müsste eine Abwertung auf dem Devisenmarkt vorbereiten.

Die neueWährung. Die Währungsumstellung würde aller Wahrscheinlichkeit nach in zwei Stufen ablaufen. Auf Konten könnte sie quasi per Knopfdruck erfolgen, während die Bargeldeinführung weit mehr Zeit in Anspruch nehmen würde: Münzen müssten erst geprägt und Geldscheine gedruckt werden. Auch die Verteilung des Geldes im Land wäre eine logistische Herausforderung. In der Zwischenzeit könnte der Euro aber weiter Tauschmittel für den Alltag sein.

Das finanzielle Risiko. Die griechische Zentralbank hat gegenüber der EZB Verbindlichkeiten von rund 100 Milliarden Euro. Dazu kommen Forderungen der Euro-Notenbanken aus dem Kauf griechischer Staatsanleihen in Höhe von 40 bis 50 Milliarden Euro. Insgesamt belaufen sich diese Schulden also auf 150 Milliarden Euro. Möglich wäre nun, dass die Griechen das Geld über mehrere Jahrzehnte abzahlen. Auch eine Aufteilung der Lasten zwischen der Zentralbank in Athen, der EZB und den anderen Notenbanken wäre denkbar. Sollte das nicht möglich sein, müssten die Institute Abschreibungen vornehmen.

Wiedereinführung von Grenzkontrollen.
Sollte Griechenland durch einen Bankrott seine Beamten nicht mehr bezahlen können, wäre es auch nicht mehr in der Lage, seine Grenzen zu kontrollieren. Ungebremste Einwanderung – etwa über der Türkei – könnte die Folge sein. In diesem Fall dürfen die übrigen Mitgliedstaaten ihre Grenzen wieder für bis zu zwei Jahre kontrollieren – so sieht es ein Reformplan des Schengen-Raums vor.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2012)