Madrid ruft nach der EZB: Renditen erreichen die Todeszone

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(c) AP (Michael Probst)

Spaniens Anleihenzinsen waren seit Euro-Einführung nie so hoch. Mit mehr als sieben Prozent ist kritische Zone erreicht. Die Regierung verlangt nach dem Einsatz der EZB-Notenpresse.

Wien/Madrid/JIL. Die Erleichterung über das Wahlergebnis aus Griechenland währte am Montag an den Märkten nur kurz. Sehr kurz.
Die europäische Schuldenkrise ist weiter in vollem Gang, und im Zentrum steht längst nicht mehr das kleine Griechenland, sondern die „Elefanten“ Spanien und Italien. Nach einer kurzen Phase der Entspannung stiegen die spanischen Renditen auf zehnjährige Anleihen am Montag zum ersten Mal seit der Einführung des Euro auf ein Rekordhoch: 7,10 Prozent. Damit hat Spanien die „Todeszone“ erreicht. Sieben Prozent gilt allgemein als Grenze zwischen erträglichen Refinanzierungskosten und der akuten Gefahr, von den Märkten ausgeschlossen zu werden. Griechenland, Irland und Portugal mussten bei mehr als sieben Prozent Rendite unter den EU-Rettungsschirm. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mithilfe ihres Notfall-Anleihenkaufprogramms SMP (Special Market Program) mehrmals die Renditen für Italien und wohl auch für Spanien gedrückt. Das SMP ist derzeit auf Eis gelegt – soll nun aber reaktiviert werden.

Zumindest, wenn es nach der spanischen Regierung in Madrid geht. „Die EZB muss auf die Lage auf den Märkten entschieden und zuverlässig reagieren“, sagte der spanische Finanzminister Cristobal Montoro am Montag.

Letzte Geldspritze verpufft

Der EZB ist die direkte Staatsfinanzierung über Anleihenkäufe eigentlich strikt untersagt. Wegen der Einführung des SMP haben zwei deutsche Notenbanker aus Protest die EZB verlassen. Und auch der neue EZB-Chef Mario Draghi scheint derzeit nicht geneigt, das SMP wieder zu aktivieren. Er hat versucht, den europäischen Anleihenmarkt mittels einer Geldspritze für die Banken in der Höhe von einer Billion Euro zu beleben – ein Unterfangen, das zwar gelungen ist, dessen positive Effekte sich aber wieder aufgelöst haben. Spanische Banken waren Großabnehmer des Programms.

Diese haben aber noch andere Probleme als die Anleihen ihres Staates. So ist der Anteil der „notleidenden“ Kredite in den Büchern der spanischen Banken laut aktuellen Daten der Zentralbank im April auf 8,72 Prozent gestiegen. Das ist der höchste Stand seit 1994. Und auch diese Zahl ist freilich eine Schätzung. Niemand weiß, wie viele der Kredite, die in Spanien in den Jahren des Booms vergeben wurden, wirklich zurückgezahlt werden können.

Deutschland als Fluchtpunkt

Während am Montag auch die Rendite der italienischen Bonds um 14 Basispunkte auf 6,05 Prozent stieg, sind deutsche Bundesanleihen als sicherer Hafen wieder stark gefragt. Die Rendite fiel am Montag auf unter 1,40 Prozent. Deutschland gilt als der einzige zweifelsfrei solvente Eurostaat und zieht deshalb Investoren auf der Suche nach Sicherheit an. Auch Österreich musste als sicherer Hafen zuletzt deutlich niedrigere Zinsen zahlen.