"Niemand will, dass Spanien gerettet werden muss"

Niemand will dass Spanien
EPA/FEDERICO GAMBARINI

Spanien muss Rekordzinsen für Anleihen bieten. Dennoch erwarten Analysten nicht, dass das Land komplett unter den ESM schlüpfen muss.

Das Schuldenmachen wird für Spanien alarmierend teuer: Für kurzfristige Titel muss die Regierung in Madrid den Investoren inzwischen eine Rekordrendite bieten. Dies zeigte eine Emission von Geldmarktpapieren am Dienstag. Als noch wichtiger gilt allerdings der Markttest am Donnerstag, wenn eine Auktion von länger laufenden Anleihen ansteht.

Viele Anleger fürchten, dass das unter einer Rezession und den Folgen einer Immobilienblase leidende Land sich von den Kreditmärkten zurückziehen und komplett unter den Euro-Rettungsschirm flüchten muss wie bereits Griechenland, Irland und Portugal. Bisher hat Ministerpräsident Mariano Rajoy mit den Währungspartnern lediglich Hilfen für den maroden Bankensektor über bis zu 100 Mrd. Euro vereinbart.

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Für die Geldmarktpapiere mit einer Laufzeit von einem und eineinhalb Jahren musste Spanien tief in die Tasche greifen. Die Durchschnittsrenditen lagen viel höher als bei den entsprechenden vorangegangenen Emissionen. Im Fall der Zwölf-Monatspapiere musste das Land die Anleger sogar mit den höchsten Zinsen locken seit Einführung des Euro. Immerhin war der Köder fett genug: Die Nachfrage war robust, die Regierung wurde ihre Papiere los und sammelte die maximal geplanten gut drei Milliarden Euro ein.

"Die Renditen waren über fünf Prozent bei beiden Papieren", sagte Credit-Agricole-Experte Peter Chatwell. "Das ist wieder das Niveau vom November 2011, als der Markt in großen Schwierigkeiten war und die EZB zur Intervention gedrängt wurde." Im Dezember und Februar pumpte die Europäische Zentralbank (EZB) über zwei langfristige Leihgeschäfte zu äußerst günstigem Zins insgesamt rund eine Billion Euro in den Markt und sorgte damit für Ruhe. Damit ist es allerdings seit einiger Zeit wieder vorbei.

Marktteilnehmer erwarten EZB-Maßnahmen

Ein Marktteilnehmer sagte: "Ich glaube nicht, dass es für Spanien katastrophal aussieht." Am Ende werde doch eine Lösung gefunden werden müssen, oder die EZB müsse nachlegen. "Niemand hat ein Interesse daran, dass Spanien gerettet werden muss, denn dann würden Fragen aufkommen, ob die Mittel dazu reichen, und Fragen nach Italien", sagte der Marktteilnehmer.

Am Rentenmarkt liegt die Rendite für zehnjährige spanische Staatsanleihen über der kritischen Marke von sieben Prozent. In der Regel gilt ein solches Niveau mittelfristig als nicht tragbar, wenn die Staatsfinanzen nicht gesund sind. Die Folge ist eine fatale Schuldenspirale: Anleger fürchten vermehrt, dass das Land seine Verbindlichkeiten nicht mehr bezahlen kann und verkaufen die Bonds. Dies wiederum führt dazu, dass Investoren für neue Schuldtitel immer höhere Zinsen haben wollen. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, drängten daher spanische Regierungsvertreter die EZB zuletzt zu neuen Rettungsschritten.