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„Ich verdamme niemanden, der Facebook und Twitter nicht nützt“

(c) AP (Sean Kilpatrick)
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Seit seine Schwiegermutter auf Facebook ist, komme er besser mit ihr aus, sagt Sree Sreenivasan. Sein Rat: Wer soziale Netzwerke nützt, soll dieselben Spielregeln anwenden wie bei jeder anderen Kommunikation.

Auf einer Deutschland-Reise hat er sich in dieses Zitat von Kaiser Wilhelm II. verliebt: „Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist nicht mehr als eine vorübergehende Entscheidung.“ Seither baut Sree Sreenivasan es gern in seine Vorlesungen ein, weil sich die Aussage perfekt auf so viele andere Technologien umlegen lasse: das Telefon, das E-Mail oder die sozialen Netzwerke.

Dabei will der New Yorker Professor für digitale Medien an der Columbia Universität niemanden bekehren. Für die „Society of Professional Journalists“ gehört der Social-Media-Experte zu jenen 20 Menschen, denen man auf Twitter folgen sollte. Er selbst betont aber: „Ich verdamme niemanden, der Facebook und Twitter nicht nützt. Diese Menschen lesen vielleicht mehr oder haben ein besseres Verhältnis zu ihren Freunden und ihrer Familie. Nichts daran ist falsch.“ Sein Wissen gibt er auf einer eigenen Webseite (sreetips.com) und auf Vortragsreisen weiter, auf denen ihn, wie in Wien im Rahmen der Hedy-Lamarr-Lectures, seine Familie begleitet. Seine größten Kritiker sind seine neunjährigen Zwillinge, die ihm direkt sagen: „Deine Vorlesungen sind so langweilig.“ Die Schwiegermutter ist nicht dabei, aber seit er mit ihr auf Facebook befreundet ist, „hat sich unsere Beziehung verändert. Sie dachte vorher, sie kennt mich, aber jetzt sieht sie, was ich wirklich tue den ganzen Tag.“

Sreenivasans Zugang zu sozialen Netzwerken ist auffallend entspannt. Keiner muss, jeder kann sie nützen, ist sein Leitsatz. Wer sie nützt, sollte jedoch nie vergessen, dabei dieselben Spielregeln einzuhalten wie bei allen anderen Arten der Kommunikation. „Natürlich kannst du all deinen Freunden erzählen, was du zum Frühstück gegessen hast. Aber du musst nicht.“ Für sinnvollere Dinge sollten Unternehmen oder Medien Social Media nutzen, aber stets so, dass sie damit reale und digitale Welt miteinander verbinden. Social Media würde als Verstärker der physischen Welt dienen, wer einen schlechten Kundendienst hat, werde auch auf Twitter nur ein schlechtes Kundenservice etablieren können.

„Schreibe nichts, was du heute bereust“, ist Sreenivasans Rat an alle Onlinenutzer. Er denke stets an seine Mutter, seine Ehefrau und seinen Chef, bevor er einen Satz im Internet veröffentlicht, aber auch, wenn er ein E-Mail schreibt. Auch hier kommt wieder der Vergleich der Medien: Alles, was man heute mit einem Tweet machen kann (es unzählige Male verschicken, speichern), kann man auch mit einem E-Mail tun.

Den Aufstieg von Facebook sieht er noch lange nicht beendet – dank der Entwicklungsländer und der Frauen. Den größten Zuwachs hat das Netzwerk in den USA derzeit bei Frauen zwischen 55 und 65. Prognosen über den Erfolg von neuen Netzwerken will Sreenivasan keine geben. „Da muss man vorsichtig sein. Wenn ihnen jemand sagt, er hat die Antwort auf die Zukunft des Internet, vertrauen Sie ihm nicht. Niemand hat die Antwort. Nicht einmal Mark Zuckerberg weiß, wie Facebook funktioniert.“
Sree Sreenivasan hält heute, Mittwoch, im Forum Journalismus und Medien Wien einen Workshop für fortgeschrittene Social-Media-Nutzung. Info: www.fjum-wien.at