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US-Geldpolitik: Die Geldschleusen gehen weiter auf

Symbolbild
(c) EPA (Dennis M. Sabangan)
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Seit November 2008 befindet sich die US-Notenbank im Krisenmodus. Ein Ende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Finanzwelt erwartet weitere Käufe von Staatsanleihen. Kritiker verweisen auf die Inflationsgefahr.

Wien. Es war im November 2008 und Ben Bernanke sprach von einer „einzigartigen Ausnahmesituation“. Die US-Finanzkrise hatte ihren Höhepunkt erreicht. Deshalb orderte der Zentralbankchef den Kauf von „faulen“ Hypotheken im Ausmaß von mehr als 600 Mrd. Dollar (475 Mrd. Euro) an. Das sollte die Märkte ein wenig beruhigen. Doch es verärgerte viele republikanische Abgeordnete: „Wissen Sie überhaupt, was Sie da tun?“, fragten sie den Ökonomen. „Natürlich. Besondere Zeiten erfordern besondere Handlungen“, erklärte Bernanke.

Dreieinhalb Jahre später fährt die US-Notenbank immer noch im Krisenmodus. Seitdem der Zentralbankchef 2008 die Geldschleusen geöffnet hat, hat er sie nie wieder geschlossen. Die Leitzinsen liegen zwischen null und 0,25 Prozent, der tiefstmögliche Wert. Auf den Kauf von Hypotheken folgte der Kauf amerikanischer Staatsanleihen. Und heute, Mittwoch, wird die Federal Reserve aller Voraussicht nach weitere „außergewöhnliche Maßnahmen“ verkünden.

Schon längst diskutieren Ökonomen allerorts, ob und – wenn ja – wie viel Spielraum die Fed überhaupt noch hat. Die Bilanzsumme ist auf knapp drei Billionen Dollar angewachsen. Vor der Krise, im Sommer 2008, lag der Vergleichswert bei 700 Mrd. Dollar. Das Geld, mit dem die Zentralbank Hypotheken und Treasury Bonds kauft, fließt zumindest teilweise in die Realwirtschaft. Das trieb die Inflationsrate in den USA zwischenzeitlich auf 3,5 Prozent.

Twist oder Quantitative Easing?

„Wir gehen von einer Erhöhung der Bilanzsumme aus“, schreibt Jon Hatzius, Chefökonom von Goldman Sachs, in einer aktuellen Einschätzung. Soll heißen: Die Federal Reserve wird eine dritte Runde „Quantitative Easing“ (QE) verkünden. Dabei sorgte schon „QE II“ für große Aufregung. Von einem gefährlichen Eingriff in die Märkte sprachen viele Ökonomen, als Bernanke im November 2010 verlautete, Staatsanleihen im Ausmaß von 600 Mrd. Dollar kaufen zu lassen. Von einem notwendigen Schritt, um der angeschlagenen US-Wirtschaft auf die Beine zu helfen, sprach der Zentralbankchef.

Zuletzt mehrten sich allerdings die Anzeichen, dass die weltgrößte Volkswirtschaft immer noch nicht rund läuft. Die Arbeitslosenrate ist wieder gestiegen, auf 8,2 Prozent. Aktuelle Prognosen gehen von einem Wirtschaftswachstum für das zweite Quartal von weniger als zwei Prozent aus. „Die erste Runde des Quantitative Easing hat noch relativ viel gebracht“, meint Hatzius. Deutlich weniger positive Auswirkungen habe QE II gehabt, weshalb der Goldman-Sachs-Ökonom auch von einer neuerlichen Runde an Staatsanleihenkäufen abrät.

Doch selbst wenn die Federal Reserve am heutigen Mittwoch kein „Quantitative Easing III“ verkündet: Dass sie den Marktkräften freien Lauf lassen wird, halten die meisten Ökonomen für ausgeschlossen. Die Volkswirte von JP Morgan sagen etwa voraus, dass die „Operation Twist“ ausgeweitet wird. Dabei tauscht die Zentralbank Staatspapiere mit kurzer Laufzeit gegen solche mit längerer Laufzeit. Das erhöht nicht die Bilanzsumme. Laut Lehrbuch soll es aber der Konjunktur auf die Sprünge helfen, weil die Geldschleusen der Zentralbank voraussichtlich länger als erwartet offen bleiben.

Streit um Obamas Einfluss

Kritiker verweisen auf die Inflationsgefahr und darauf, dass die bisherigen Eingriffe der Fed wenig gebracht haben, weil die Arbeitslosigkeit immer noch hoch ist. Bernanke entgegnet, dass er nicht tatenlos zusehen könne, während sich die Lage in der Eurozone immer weiter zuspitzt. So treffe die Krise in Europa auch die US-Konjunktur hart, weil Investoren und Konsumenten weltweit Vorsicht walten ließen, argumentiert der Zentralbankchef.

Eine wichtige Rolle spielt auch die Politik. Präsident Barack Obama fordert weitere Konjunkturpakete und steht auch einem Einschreiten der Fed freundlich gegenüber. Die Republikaner stellen deshalb bereits die Unabhängigkeit der Zentralbank infrage. Bernanke dürfte sich davon nicht ablenken lassen und die Notenpresse erneut anwerfen. Von einem „außergewöhnlichen Schritt“ wird er diesmal wohl nicht mehr sprechen.