Die Steirer stellen sich hinter Reform und fordern Entschuldigung. Ausgangspunkt war Schützenhöfers Vorstoß, das gesetzliche Pensionsalter schrittweise auf 67 Jahre zu verlängern.
Wien. Wenn morgen, Freitag, der ÖVP-Bundesparteivorstand tagt, dürften sich Seniorenbund-Chef Andreas Khol und der steirische ÖVP-Boss Hermann Schützenhöfer nicht nebeneinander setzen. Denn nach der Kritik Khols an Schützenhöfer kommen nun aus der Steiermark harte Worte in Richtung des Pensionistenvertreters. Ausgangspunkt war Schützenhöfers Vorstoß, das gesetzliche Pensionsalter schrittweise auf 67 Jahre zu verlängern. Für Khol Grund zu konstatieren, dass Schützenhöfer weit weg von der Linie der Bundespartei sei und bei dem Thema nichts mitzureden habe: „Bei Pensionsfragen ist Schützenhöfer das Salzamt“, so Khol.
„Diese polemischen Äußerungen sind gegenüber allen unter 40-Jährigen nicht sehr verantwortungsvoll“, konterte am Mittwoch der steirische ÖVP-Nationalratsabgeordnete Reinhold Lopatka im Gespräch mit der „Presse“. Denn das Pensionssystem sei nicht finanzierbar, wenn trotz steigender Lebenserwartung alles beim Altem bleibe. „Khol aber sieht sich als Interessenvertreter einer Gruppe, die – auch polemisch formuliert – in paradiesischen Zuständen lebt“, meint Lopatka. Man müsse die Höhe von Pensionen nur mit dem vergleichen, was etwa ein junger Beamter verdient. Lopatka liebäugelt mit dem dänischen Modell: Bei diesem steigt (parallel zur Lebenserwartung) alle sieben Jahre das Pensionsalter um ein Jahr.
Die steirische ÖVP-Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder erklärte, Khol-Aussagen seien beleidigend. Sie fordere eine Entschuldigung von Khol bei Schützenhöfer. Lopatka gibt Khol aber in einem Punkt gewissermaßen recht: Die reformfreudigen Kräfte beim Pensionssystem seien – leider – auch in der ÖVP noch in der Minderheit.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2012)