Die Rolle ist eine Tochter der Zeit

Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern: Andreas Khol ist so flexibel, wie man es heute eben sein muss.

Die Bürger davon zu überzeugen, dass sie künftig länger arbeiten müssen, war eine der zentralen Botschaften der Regierung Schüssel. Und immer wenn es galt, diese ohne Wenn und Aber in die Welt zu tragen oder zu verteidigen, war Klubchef Andreas Khol, der spätere Nationalratspräsident, verlässlich und wortgewaltig zur Stelle. Heute ist Andreas Khol Chef der ÖVP-Senioren und hält als solcher den Vorschlag seines Parteifreundes Hermann Schützenhöfer, das Pensionsantrittsalter auf 67 Jahre anzuheben, schnoddrig für einen Fall für das „Salzamt“.

Die Verlockung ist groß – wenn es denn nicht schon so abgedroschen wäre –, Andreas Khol eines seiner Lieblingsbonmots, „Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit“, vor den Latz zu knallen. Wobei das nicht minder abgedroschene „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“ sogar noch besser passen würde.

Wobei wir – altersmilde – dann doch zugestehen wollen: Andreas Khol ist einer der letzten großen Politik-Darsteller dieser Republik. Er spielt stets die Rolle, die ihm zugedacht ist. Überzeugend, aber durchschaubar.

E-Mails an: oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2012)

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