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Wein 2040: Welschriesling vom Nordhang?

Brigitte Schicho untersuchte die Auswirkung des Klimawandels auf den Weinbau in der Steiermark und schlägt Anpassungen vor, um weiterhin klassischen steirischen Wein produzieren zu können.

„Als Jahrhundertwein gilt der Jahrgang 1997 in der Steiermark: Der Sommer war eher kühl und regnerisch, der Herbst dann warm und trocken“, sagt Brigitte Schicho. Sie hat für ihre Dissertation (Uni Graz, Institut für Geographie und Raumforschung, Betreuer Reinhold Lazar) die Auswirkungen des Klimawandels auf den Weinbau am Beispiel der Steiermark untersucht: Nach Auswertung der Lesegutaufzeichnungen (1980 bis 2004) weinbautreibender Institutionen und von zahlreichen Weinbauern (zu welchem Zeitpunkt wurde gelesen, welche Zucker- und Säurekonzentrationen hatten die Beeren?) bestätigte sich, dass ein kühler Sommer und ein warmer Herbst wichtig für einen „guten Wein“ sind.

Das seit Menschengedenken schlechteste Jahr für den steirischen Weinbau war hingegen 1980: Es war das ganze Jahr zu kalt, so dass die Trauben, welche Ende Oktober gelesen wurden, noch nicht reif waren. Eine spätere Lese war jedoch unmöglich, da mit Anfang November ein strenger Winter ins Land zog.

„Der Klimatrend zeigt, dass Jahre, in denen der Wein nicht genug Zeit zum Reifen hat, abnehmen werden“, sagt Schicho. Dafür werden Jahre, die dem Jahr 2003 ähneln, zunehmen: Damals wurde je nach Sorte bis zu fünf Wochen früher als im Durchschnitt gelesen. Von den Zucker- und Säurekonzentrationen der Trauben passte alles. „Doch die physiologische Reife, die den Geschmack bestimmt, war noch nicht da.“ Im Zuge der globalen Erwärmung wird dieser Trend weitergehen und so wird laut Schicho, „die Lese tendenziell immer früher erfolgen. Dann sind aber Geschmack und Inhaltsstoffe nicht so ausgereift, wie man das gern hätte.“ Daher schlägt sie Anpassungen des Weinbaus an das immer wärmere Klima vor. Einerseits könnten Weingärten neu positioniert werden: Statt auf Südhängen würde dann etwa Welschriesling auf flachen Nordhängen durchaus gut gedeihen. Auch in die Höhe könnten Anbaugebiete wandern, pro 100 Meter sinkt die Durchschnittstemperatur um rund 0,5 Grad. Auch bei der Wahl der reblaussicheren Wurzelstöcke gibt es Spielraum in Richtung Trockenbeständigkeit. „Oder man könnte von den klassischen steirischen Sorten weggehen und wärmeliebendere anpflanzen.“ Kühlere Sorten wie Müller-Thurgau könnten in dieser Region aussterben, dafür aber z.B. Merlot gut wachsen. Ob diese Umstellung auf andere Sorten aber die Akzeptanz bei den Konsumenten findet und diese einen Umstieg auf weniger säurebetonte Weine mitmachen würden, sind Fragen, die Schicho in ihrer Arbeit nicht beantworten kann: Das wird die Zukunft zeigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.06.2012)