Events. Agenturen wollen mehr Lobbying, mehr Qualität und ein Ende des "Pitch-Wahns".
WIEN. Andreas Hladky, Geschäftsführer der Event-Agentur Hallamasch, macht sich um die Branche Sorgen: "Die Branchenvertretung liegt im Argen. Unser Standing ist nicht so toll." Deshalb hat Hladky die 15 größten heimischen Event-Agenturen für diesen Donnerstag zu einem Gespräch eingeladen. Das sei "kein Anti-EMBA-Treffen", betont Hladky, der sich vom Event Marketing Board Austria nicht vertreten fühlt. Hladky hofft auf eine Initialzündung, damit sich die Agenturen der Branche zusammentun, um wichtige Fragen gemeinsam anzugehen. Etwa 4000 Gewerbescheine sind im Bereich Eventmarketing ausgestellt. Größte Agentur ist Eventive mit geschätzten 27 Millionen Euro Umsatz 2005 (laut Medianet Agentur-Ranking), gefolgt von FCB Events & PR mit 10,5 Millionen und Erlebnismarketing mit knapp zehn Millionen Euro.
Die Arbeit der Agenturen in diesem Bereich werde unterbewertet, meint Hladky: "Für viele Unternehmen sind Events noch immer ein Orchideenfach, während sie große Summen für Direktmarketing ausgeben." Es müsse daher Lobbying betrieben werden, um klarzustellen, was Eventmarketing alles leistet. Wie wichtig richtige Emotionalisierung ist, bringt Michael Müllner vom Büro Wien auf den Punkt: Wenn sich Leute auf einem Event langweilen, hätten die Besucher, die man eigentlich umgarnen will, das Gefühl, ihnen werde kostbare Zeit gestohlen.
Das sei aber nicht die einzige Gefahr, meint Hladky: "Dass man, ohne ein Mindestkönnen nachzuweisen, eine Event-Agentur anmelden kann, finde ich nicht gut." Ein Event sei mehr, als eine Party zu feiern. Man benötige eine fundierte Projektmanagement-Ausbildung. Auch sei die Sache nicht ungefährlich: "Bei Events und Veranstaltungen können auch Leute in Gefahr kommen." Wie beim Snowboard-Event am Bergisel. Hladky: "Man kann ja auch keine Bank und kein Security-Unternehmen einfach so eröffnen." Er fordert daher die Einführung von Qualitätskriterien und definierten Standards, um den Kunden bei der Auswahl einer Agentur Entscheidungshilfen zu bieten.
Kritik gibt es am "Pitch-Wahn" der Unternehmen. Da werden keine Jahres- oder längere Etats vergeben, sondern es wird vor jedem Event "gepitcht". Walter Ilk von der Eventwerkstatt meint, dass da "viel Unfug getrieben wird". Eine Präsentation koste die Agentur 3000 bis 5000 Euro. "Deshalb wäre es gerechtfertigt, ein Abschlagshonorar zu bekommen", meint Ilk. Das sei aber nicht üblich.
Was Ilk und Müllner ebenfalls ärgert, ist, dass zu viele Agenturen zum Pitchen eingeladen würden. "Wenn zehn eingeladen werden, machen neun leere Kilometer" - die letztlich wiederum den Kunden verrechnet werden. Dabei würde oft nur ausgeschrieben, um dem Controlling Genüge zu tun: "Die wollen drei Angebote haben, obwohl oft schon klar ist, wer den Job bekommt", kritisiert Ilk. Er will - wie Müllner - zu dem von Hladky einberufenen Treffen kommen, auch wenn "nicht ganz klar ist, wohin die Reise geht".