Milliardenschwere Schlacht um Indiens Handymarkt

Übernahme. Vodafone kämpft gegen Reliance um Hutchison Essar.

London/Bombay (Bloomberg/Reuters). 6,71 Millionen neue Handykunden in einem Monat - mit dem weltweit am schnellsten wachsenden Handymarkt Indien kann nicht einmal China mithalten, wo es im Oktober "nur" 5,87 Millionen Neukunden gab. Kein Wunder, dass Mobilfunker und Investmentfonds ihre Blicke auf den Subkontinent richten. Wer sich dort in Position bringt, dem winken zweistellige Gewinnmargen, wächst in Indien ja nicht nur die Bevölkerung, sondern auch der wohlhabende Mittelstand.

Dem weltgrößten Mobilfunk-Konzern Vodafone ist der zehnprozentige Anteil am indischen Marktführer Barthi Airtel nicht mehr genug, zumal Bharti wenig Interesse zeigt, weitere Anteile abzugeben. Deshalb will Vodafone die Nummer vier Hutchison Essar um 13,5 Mrd. Dollar (10,22 Mrd. Euro) übernehmen. Laut "Financial Times" hat der Vodafone-Vorstand mit Arun Sarin an der Spitze am Donnerstag die Kaufpläne präzisiert, um heute, Freitag, ein Angebot zu legen.

Damit würden die Briten eine milliardenschwere Übernahmeschlacht auslösen. Denn Hutchison Essar, zu 67 Prozent im Eigentum des Mischkonzerns Hutchison Whampoa von Millionär Li Ka-Shing, der mit "3" auch in Österreich vertreten ist, steht auch im Visier des zweitgrößten indischen Anbieters Reliance. Das Unternehmen, das dem indischen Milliardär Anil Ambani gehört, hat sich dazu mit dem Fonds Blackstone zusammengetan. 15 Mrd. Dollar wollen Reliance und Blackstone bei Citigroup und UBS borgen, um Vodafone zu überbieten.

Hutchison Essar hat 16 Prozent Marktanteil und ist nach Bharti Airtel, Reliance und der staatlichen Bharat Sanchar Nigam die Nummer vier. Der hohe Umsatz pro Kunde macht Hutchison Essar zu einem attraktiven Übernahmeziel, meinen Analysten. Sie begrüßen die Pläne von Vodafone zum Ausbau der indischen Aktivitäten. "Aber sie sollten nicht um jeden Preis expandieren. Wir fürchten, dass sich in Indien derzeit eine Preisblase gebildet hat", sagt etwa Morten Singleton von WestLB.

Vodafone-Boss Sarin ist wegen milliardenschwerer Abschreibungen für das stotternde Geschäft in Deutschland und Italien unter Druck. Allein in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2006/07 (Ende März) lag das Minus bei 7,6 Mrd. Euro. 2005/06 schaffte Vodafone mit 32 Mrd. Euro den unrühmlichen Rekord des höchsten Verlusts eines Konzerns in der europäischen Wirtschaftsgeschichte. Vodafone verlagert daher den Fokus zunehmend auf Wachstumsmärkte - der Verkauf der Swisscom-Beteiligung passt genau in diese Strategie.

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