Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Osteuropa: Goldgrube für Österreich

Studie. Investitionen im Ausland werden mit der Zeit immer gewinnträchtiger - und zwar vor allem in Osteuropa. Dort sind die Renditen doppelt so hoch wie im Westen.

WIEN. Für Österreichs Unternehmen ist Osteuropa eine Goldgrube: Laut einer Studie des Ökonomen Wilfried Altzinger (WU Wien) rentieren sich Investitionen in mittel- und osteuropäischen Ländern doppelt so stark wie in den 15 "alten" EU-Staaten. Investitionen in den wichtigsten fünf neuen EU-Staaten (Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien) werfen im Schnitt acht Prozent Rendite (gemessen am eingesetzten Eigenkapital) ab, in 14 weiteren ost- und südosteuropäischen Staaten (Baltikum, Balkan, Russland, Ukraine) sind es 9,6 Prozent.

Investitionen heimischer Betriebe in die EU-15 werfen dagegen nur eine Rendite von durchschnittlich 3,9 Prozent ab. Knapp sechs Prozent sind es in anderen Regionen. Die Werte gelten für 2003, das bisher letzte, für das vollständige Daten vorliegen. Altzinger hat für seine Studie Daten von 2399 Auslandstöchtern heimischer Firmen aus den Jahren 1989 bis 2003 untersucht.

Jene österreichischen Firmen, die bereits knapp nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in den Nachbarländern investierten, hatten anfangs eine schwierige Zeit. Erst um 1996 wurden die Töchter rentabel - bis sie im Jahr 2002 sogar zehn Prozent Profit abwarfen. In den übrigen ost- und südosteuropäischen Ländern verlief diese Entwicklung zeitverzögert. Dort setzte der Investitionsboom erst Mitte der 90er Jahre ein, die Unternehmen lieferten erst ab 2001 Profite - die allerdings noch um ein Stück höher sind.

In Westeuropa hingegen sind heimische Firmen-Töchter schon seit dem EU-Beitritt 1995 rentabel, seither gab es relativ moderate Steigerungen. Altzinger nennt zwei Gründe für die gute Performance im Osten. Ein Faktor ist die Lebenskurve von Unternehmen. Nach Gründung oder Übernahme eines Unternehmens entstehen Anlaufverluste. Dann kommt die Firma in eine Wachstumsphase, in der der Gewinn stark ansteigt - bis sich der Zuwachs irgendwann wieder einbremst. Erst neue Aktivitäten (oder veränderte Rahmenbedingungen) ermöglichen weitere Gewinnsprünge.

Die Tatsache, dass Firmen in Osteuropa typischerweise jünger sind als in Westeuropa, ist demnach ein wesentlicher Grund dafür, dass die Profitabilität im Osten deutlich stärker steigt. Dieser Effekt ist aber nicht der einzige Grund für den Unterschied: Eine Rolle spielt auch das wirtschaftliche Umfeld - in Osteuropa sind die Wachstumsraten zumindest doppelt so hoch wie in der EU-15.

Um diesen Effekt bewerten zu können, hat Altzinger die Gewinndaten aus den Regionen auf das Alter der Firmen umgelegt (siehe Grafik). Das Ergebnis: Der theoretisch erwartete Lebenszyklus der Unternehmen trifft auf alle Weltgegenden zu. In Osteuropa ist die Rendite nach sechs bis acht Jahren allerdings doppelt bis dreimal so hoch wie im Westen. Und: Da die Investitionen in Südosteuropa jünger sind, sind dort auch in Zukunft hohe Zuwächse zu erwarten.

Doch was geschieht mit den Gewinnen? Laut Theorie sollten in den frühen Phasen der Firmengeschichten die Profite zum größten Teil im Land selbst reinvestiert werden. Erst später, wenn eine Tochterfirma rund läuft, sollte ein größerer Teil der Gewinne von den Müttern in Form von Dividenden abgezogen ("repatriiert") werden.

Diese Vermutung konnte Altzinger empirisch belegen, und zwar sowohl für Töchter österreichischer Firmen in West- als auch in Osteuropa: Mit dem Lebensalter der Firmen steigt der Anteil von repatriierten Gewinnen langsam, aber stetig an. In Osteuropa liegt dieser mit knapp 20 Prozent allerdings unter dem Wert von westeuropäischen Töchtern. Offenbar deshalb, weil die Notwendigkeit für weitere Investitionen und kostspielige Umstrukturierungen in Osteuropa größer ist, so Altzinger.