Seibersdorf hat starken Mann

FORSCHUNG. Hans Rinnhofer wurde einstimmig neuer ARC-Chef.

WIEN. Wenn alles nach Plan klappt, dann ist gestern, Mittwoch, bei den Austrian Research Centers (ARC) in Seibersdorf der Startschuss für eine bessere Zukunft gefallen. Mit dem Werkstoffspezialisten Hans Rinnhofer wurde der lang gesuchte "Wunderwuzzi" gefunden, der die strategischen und kaufmännischen Fäden in der Hand halten und die ARC aus den Turbulenzen herausführen soll.

Rinnhofer wurde in der Gesellschafterversammlung einstimmig zum Nachfolger des bisherigen kaufmännischen Chefs Helmut Krünes bestellt, dessen Vertrag zu Jahresende 2005 ausgelaufen ist.

Auf das neue Führungsduo Rinnhofer und Wissenschaftschef Erich Gornik warten schwere Aufgaben: Sie müssen die ARC zu einem international wettbewerbsfähigen "Player" machen. Das erfordert eine inhaltliche Neuausrichtung auf Bereiche, die für Kunden interessant sind. Und eine schwierige Restrukturierung.

Wie berichtet, war die politisch gewollte Aufspaltung der ARC in eine Holding plus Töchter im Jahr 2002 nicht das Gelbe vom Ei. Deshalb werden die Teile nun wieder zusammengeführt. Nur Arsenal Research bleibt vorerst selbstständig. Denn für eine Integration wäre eine Gesetzesänderung nötig.

Die Restrukturierung folgt den Vorschlägen des Malik Management Zentrum St. Gallen, das den ARC ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt hatte: Es gebe keine umfassende Strategie, unnötige Hierarchie-Ebenen, die Kompetenzverteilung sei unklar und die Industrie (zu 49,5 Prozent Eigentümer) habe in der Geschäftsführung keinen Ansprechpartner.

Mit der inhaltlichen Neuausrichtung wurde bereits begonnen: Aufgebaut wurden neue Arbeitsgruppen etwa für Bilderkennungssysteme oder Leichtmaterialien. Zur Finanzierung der Expansion werden Rücklagen in der Höhe von 29,5 Mill. Euro aufgelöst.

Die Rückführung von nicht mehr gefragten Bereichen geht schleppend voran - was vor allem an den Grabenkämpfen in den ARC liegt. Derzeit kommen rund 70 Prozent des Jahresbudgets von 100 Mill. Euro vom Staat. Laut einer neuen Strategie soll der Anteil von Forschungsaufträgen aus der Wirtschaft verdoppelt werden.

Endgültig vom Tisch ist mit der Bestellung Rinnhofers das Vorhaben des Infrastrukturministeriums (dem Mehrheitseigentümer der ARC), einen dritten Geschäftsführer zu installieren. Wie Kritiker meinten, sollte dadurch erneut Platz für eine parteipolitische Bestellung geschaffen werden. In den letzten Jahren wurden ja einige FPÖ-Politiker in den ARC installiert: an der Spitze Ex-FP-Verteidigungsminister Krünes und Ex-FP-Wissenschaftssprecher Marin Graf - der nun durch die Umstrukturierung seinen Job verliert.

Der Auswahlprozess ist, so berichten Insider, so transparent wie niemals zuvor in der Geschichte Seibersdorfs abgelaufen. Nach einer Ausschreibung durch einen Personalberater wurde aus den rund 130 Bewerbern eine Gruppe von einem Dutzend Kandidaten zu einem Hearing bestellt. Die Bestellungskommission hat einstimmig Hans Rinnhofer zum "Spitzenkandidaten" gekürt. In einen Dreier-Vorschlag hatten es dem Vernehmen nach zudem der derzeitige Chef der ARC-Tochter Arsenal Research Anton Plimon und der langjährige Energiemanager Paul Jankowitsch geschafft.

Der neue starke Mann in den ARC wird seinen Posten erst im Oktober antreten. Er wird aber schon vorher die Umstrukturierung begleiten, hieß es aus Kreisen. Krünes' Vertrag, der bisher interimistisch verlängert wurde, endet voraussichtlich im Mai endgültig. In einer Übergangszeit, bis Rinnhofer offiziell im Dienst ist, soll ein Finanz-Prokurist das "Vier-Augen-Prinzip" gewährleisten.

Rinnhofer bekommt von allen Seiten Vorschusslorbeeren. Im Infrastruktuministerium spricht man von einem "Vollprofi". Für die Arbeitnehmervertretung macht er einen "kompetenten, tüchtigen Eindruck". Und auch die Industrie ist nun zufrieden.

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