LANDWIRTSCHAFT. Förderungen machen die Einkommensverteilung noch ungleicher.
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ei kaum einer anderen Wirt schaftsform gibt es so große Unterscheide zwischen verschiedenen Produzenten wie bei der Landwirtschaft. Was im wahrsten Sinne des Wortes "natürlich" ist: Je nach Standort, Höhenlage, Relief, Klima, Boden oder Größe haben die Bauern sehr unterschiedliche Produktionsbedingungen - und entsprechend unterschiedlich ist das Einkommen, das sie aus dem Verkauf ihrer Produkte erlösen.
Gesellschaftlich und politisch erwünscht ist jedenfalls eine flächendeckende Landwirtschaft - und sei es nur deswegen, um die Landschaft, etwa Almen oder Tallandschaften, so zu pflegen, dass sie für Touristen interessant sind und bleiben. Dazu braucht man Bauern - und deren Erhaltung lässt sich die Allgemeinheit viel Geld kosten. In Österreich jährlich rund 1,5 Mrd. Euro.
Durch die Förderungen können die Bauern zwar überleben - aber gerechter wird die Einkommensverteilung dadurch nicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Agrarökonomen Erwin Schmid, Markus Hofreither (beide Boku Wien) und Franz Sinabell (Wifo). Sie haben dazu detaillierte Daten ausgewertet, die von 2572 Bauernhöfen vorliegen.
Unterm Strich machen Förderungen den größten Teil der Agrareinkommen aus: Ein durchschnittlicher Hof - den es freilich in der Praxis wegen der Vielgestaltigkeit der Landwirtschaft nicht gibt - erlöst aus dem Verkauf seiner Produkte ein Jahreseinkommen von 10.895 Euro. Nebenbei: Bei jedem dritten Betrieb ist dieses sogar negativ. Die Subventionen, die dazukommen, liegen bei 15.625 Euro.
Zwei der drei großen Förderschienen - die Direktzahlungen und die Mittel aus dem Umweltprogramm - vergrößern die Ungleichheit der Markteinkommen. Nur die dritte für Österreich wesentliche Subvention, die Bergbauernförderung, unterstützt die Kleinbauern stärker und hat damit eine leicht ausgleichende Wirkung auf die Einkommen.
Im europäischen Vergleich geht es aber in Österreich bei der Verteilung der Förderungen sehr gerecht zu (siehe Grafik): Kleinbauern erhalten hierzulande einen viel größeren Teil am Gesamtkuchen als im Durchschnitt der "alten" EU-Länder. Einen wesentlich größeren Prozentsatz der Direktzahlungen sichern sich britische Großbetriebe - nämlich die zahlreichen gräflichen Ländereien. Und völlig aus der Reihe tanzt Deutschland, wo die Großbetriebe in den östlichen Bundesländern wahre Fördermagneten sind.
Die (ungleiche) Verteilung der Fördermittel ergibt sich aus der Geschichte der EU-Agrarpolitik. Eingeführt wurden die Förderungen, um politisch erwünschte Preissenkungen zu kompensieren. Und folglich sollten die Förderungen abhängig von der Größe der Höfe sein. Bei der jüngsten Agrarreform 2005 wurde an dieser Logik nichts Wesentliches geändert. Die Ökonomen bedauern das: "Die Chance, die Verteilungsgleichheit zu erhöhen, wurde noch nicht wahrgenommen", so Schmid.