Medien: Journalisten als "Sprachmüllfahrer"

Der Libanon-Konflikt wird zum Test der Medien-Objektivität: Das erhöhte Tempo erschwert die Recherche.

Alpbach. Ein kritisches und selbstkritisches Licht warf die Alpbach-Debatte über "Informationspolitik - Gewissheit oder Propaganda" auf die Berichterstattung von Medien in Krisensituationen. So waren sich alle Diskussionsteilnehmer am Mittwoch einig, dass der aktuelle militärische Konflikt im Libanon erneut die Grenzen der machbaren Objektivität aufzeige.

Wie sehr die Berichterstattung zum Opfer einer manipulierenden Informationspolitik werden kann, analysierte eine hochrangige Diskussionsrunde aus Journalisten, Wissenschaftlern und dem Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Nato, Jean Fournet. "Presse"-Chefredakteur Michael Fleischhacker wies auf das ständig steigende Tempo der Berichterstattung hin.

Wie schwierig in diesem Umfeld das Bemühen um Objektivität ist, machte er an manipulierten Fotos israelischer Bombardements im Libanon fest. In diesem Fall wurden Bilder technisch verändert, um die Dramatik zu erhöhen. Die Fotos wurden aus Zeitmangel ohne Kontrolle in die Datenbank einer Agentur gestellt und von vielen Zeitungen abgedruckt.

Der Direktor der islamischen Religionspädagogischen Akademie in Wien, Elsayed Muhammad Elshahed, beschuldigte "einige" westliche Medien, verantwortungslos mit der Meinungsfreiheit umzugehen. Dies führe zu Hetzkampagnen und Frustration. Es fehle, so Elshahed, an Ursachenforschung für den islamistischen Terror.

Diesen Vorwurf wiesen zahlreiche Mitdiskutanten zurück. Stefan Kornelius, Leiter des außenpolitischen Ressorts der "Süddeutschen Zeitung", betonte, dass es viele journalistische Bemühungen und Gastkommentare gegeben habe, um die Ursachen des Terrors zu erklären und zu analysieren.

Er gab aber zu, dass die Medien an die Grenzen des Machbaren stoßen. Die Beschleunigung der Berichterstattung habe zu "Instabilität" geführt. "Wir sind Sprachmüllfahrer geworden, die durch die Gegend fahren, alles in Säcke packen und rasch zustellen."

Wenn die Medien ihre Glaubwürdigkeit erhöhen wollen, müssten sie eingestehen: "Wir können es nicht besser." Mehrfach wurden bei der Debatte die begrenzten Möglichkeiten der Recherche in tagesaktuellen Medien angesprochen. Erhöhtes Tempo und begrenzte journalistische Ressourcen erschwerten eine notwendige Überprüfung von Fakten.

Luc Walpot, langjähriger ZDF-Korrespondent in Kairo, sieht gerade in der Berichterstattung im arabischen Raum die Gefahr der "Emotionalisierung". Dies führe zu unterschiedlicher Darstellung durch europäische und arabische Medien. Wie schwer es sei, als Berichterstatter in Kriegsgebieten unabhängig zu bleiben, machte Walpot an einem Beispiel deutlich.

Er erzählte von jenen Journalisten, die unter Schutz der US-Streitkräfte aus dem Irak berichten durften. Sie mussten eine Erklärung unterschreiben, die sie verpflichtete, ihre Beiträge vor dem Erscheinen durch US-Offiziere zensieren zu lassen. Nato-Vertreter Jean Fournet musste eingestehen, dass gerade in Sicherheitsfragen "nicht alles gesagt werden kann". Dennoch bemühe sich vor allem das transatlantische Bündnis in seiner Öffentlichkeitsarbeit um "Wahrheit und Glaubwürdigkeit und um Geschwindigkeit".

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