USA: "Sind bereit für nächste GVO-Generation"

US-Farmer drängen auf die Einführung neuer genetisch veränderter Pflanzen.

WIEN. Bis vor kurzem gab es im Hafen in St. Louis nur einen Silo und ein Förderband, mit dem die gesamte Ernte des amerikanischen Mittelwesten auf Schiffe verladen wurde. Eine strikte Trennung von konventionellen und gentechnisch veränderten (GV) Sorten war völlig unmöglich.

Mittlerweile ist das anders. US-Farmer und Händler sind nun darauf erpicht, verschiedene Qualitäten und Sorten strikt voneinander zu trennen. Und zwar nicht, weil irgendwelche Vorschriften sie dazu zwingen würden, sondern aus rein ökonomischen Gründen. "Die künftige Profitabilität hängt von der Trennung ab", sagt Fred Yoder, früherer Chef der Nationale Corn Growers Association, dem größten Bauernverband der USA, im Gespräch mit der "Presse". Er war kürzlich auf Studienreise in Sachen Gentechnik in Österreich, Slowenien und der Slowakei.

"Es entstehen immer mehr Nischenmärkte", sagt Yoder. Und zwar aus zwei Gründen: Erstens steigt das Ernährungsbewusstsein vieler US-Amerikaner, sie wollen genauer wissen, was sie essen. Und zweitens gibt es immer mehr Kontraktanbau, wo Farmer bestimmte Produkte für ihre Abnehmer produzieren - sowohl für Lebensmittel als auch für Energie.

Die Situation um GVO werde sich völlig verändern, wenn die nächste Generation von Gen-Saaten auf den Markt kommt. Bisher wird die "Grüne Gentechnik" ja vorwiegend dafür benutzt, um die Schädlingsbekämpfung für Bauern einfacher - und billiger - zu machen. Die Pflanzen, etwa die nun inkriminierten Reis-Sorten, sind entweder selbst resistent gegen Schädlinge oder unempfindlich gegen bestimmte Pestizide.

In den Labors wird bereits an Pflanzen geforscht, die auch für den Konsumenten oder den industriellen Verarbeiter einen Nutzen bringen sollen. Sei es, dass die Pflanzen gesundheitlich wertvolle Stoffe wie Omega-3-Fettsäuren produzieren. Oder sei es, dass sich die Stärke- oder Fettzusammensetzung besser für die Herstellung Biosprit eignet. Yoder: "Wir sind nun bereit für die nächste Generation von GVO." Er meint, dass die staatliche Regulierungsmechanismen ausgereift genug seien, dass die "Löcher" im System gestopft seien, durch die in der Vergangenheit GV-Sorten wie "Starlink" oder BT10 schlüpfen konnten, die sich als problematisch für Gesundheit und Umwelt erwiesen.

Ganz unumstritten ist Yoders Ansicht aber selbst in den USA nicht. Ein kürzlich vom US-Agrarministerium veröffentlichter Bericht nennt noch einige Probleme: Etwa, dass noch einige Rechtsvorschriften aus Zeiten vor der Entwicklung von GVO stammen oder dass es nun internationale Abkommen wie das "Cartagena"-Protokoll für Bio-Sicherheit gebe.

Unbestritten ist, dass das staatliche Aufsichtssystem perfekt sein müsse, bevor eine neue Generation von GVO auf den Markt gebracht wird. Yoder: "Wir wissen: Wenn ein Fehler passiert, dann bricht das Vertrauen der Konsumenten ein." Dann würde man die Technologie für immer verlieren. "Deshalb müssen wir reguliert werden - wegen des Vertrauens der Konsumenten", so Yoder.

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