Wenn Börsenkurse ein Tor bekommen

WIRTSCHAFTS-PSYCHOLOGIE. Schlechte Fußballergebnisse drücken die Aktienkurse, sagt eine US-Studie.

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örsen sind unbestritten das beste Instrument zur Bewer tung der Wirtschaftslage. Fundamentaldaten und Firmenergebnisse werden in Kursen und Aktienindizes verdichtet, diese geben ein quasi objektives Bild, was Sache ist. So lautet zumindest die Theorie. Wen hingegen schon immer der Verdacht beschlichen hat, dass Kurse bisweilen auch irrational schwanken, der bekommt nun Unterstützung durch eine Studie: Drei US-Ökonomen haben nämlich herausgefunden, dass Börsenindizes in jenen Ländern sinken, die am Vortag in internationalen Fußballspielen verloren haben.

Als Datenmaterial nutzten die Forscher internationale Fußballspiele in 42 Staaten von 1973 bis 2004 - konkret: Fußball-Weltmeisterschaften, die europäischen Meisterschaften, die Copa Americana und den Asien-Cup. Die Reaktion der Börsen wurde durch die Kursveränderung an den jeweiligen Börsen am Tag nach einem internationalen Spiel gemessen.

Das Ergebnis: In einem Land, das ein Fußballspiel verloren hatte, sanken die Kurse im Durchschnitt um 6,7 Basispunkte (0,067 Prozentpunkte). Ging ein entscheidendes Spiel verloren, das das Ausscheiden aus einem Bewerb bedeutet, fielen die Kurse im Schnitt sogar um 23 Basispunkte. Ein "Aus" bei Weltmeisterschaften hat sogar einen Kursverfall um 33 Basispunkte zur Folge. Den gegenteiligen Effekt gibt es hingegen nicht: Wird ein internationales Spiel gewonnen, so steigen die Börsenkurse nicht außertourlich.

Die Größe der Kursausschläge hängt stark davon ab, wie wichtig Fußball in einem Land ist: In Südeuropa etwa erreichen die Kurseinbrüche sogar 81 Basispunkte, in Nordeuropa sind sie statistisch kaum beweisbar. Stärker ausgeprägt sind die Kursausschläge an kleineren Börsen, vor allem dort, wo der Großteil der Anleger aus dem jeweiligen Land kommt.

Um Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, haben die Forscher auch untersucht, ob sich die Kursentwicklung auch durch reale Effekte der Fußball-Niederlagen erklären lässt - etwa durch Veränderungen des Marktwertes der Fußballklubs, den TV-Einschaltquoten oder Produktivitäts-Veränderungen. Auch sind die Kursrückgänge keine Folge eines etwaigen Rückganges der Handelsaktivität - eine niedrigere Nachfrage hätte ja sinkende Kurse zur Folge.

Die Fußball-Studie fügt sich in den Trend ein, psychologische Faktoren stärker für die Erklärung von ökonomischen Phänomenen heranzuziehen. Der zentrale Gedanke dieser Verhaltens-Ökonomie ("behavioral economics") ist, dass der Mensch nicht immer ein rational entscheidender Homo oeconomicus ist, sondern dass auch Faktoren wie Fairness oder die Stimmung eine Rolle bei Entscheidungen spielen.

Konkret für das Börsengeschehen gibt es etwa Studien, die die Kursentwicklung etwa mit der Temperatur, dem Mondzyklus oder dem Wetter in Zusammenhang bringen. Einen Effekt hat etwa ein plötzlicher Wetterumschwung: Wenn über Nacht Regenwetter in Sonnenschein umschlägt, bekommen die Börsen einen zusätzlichen Auftrieb um drei Basispunkte.

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