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Ernährung: Die Menschheit isst immer mehr Fleisch

In Entwicklungsländern kann die Nahrungsproduktion nicht mit der Nachfrage mithalten.

PARIS/WIEN. Die Menschen werden immer mehr zu Fleischessern. Schon im letzten Vierteljahrhundert hat sich die weltweite Fleischproduktion fast verdoppelt - und auch für die nächsten zehn Jahre gehen Experten von jährlichen Steigerungsraten des Fleischkonsums von rund drei Prozent aus.

Der Löwenanteil dieser Ernährungsrevolution passiert laut einem am Dienstag veröffentlichten Bericht von OECD und Welternährungsorganisation FAO in der Dritten Welt. Die ärmeren Staaten verbrauchen demnach zusammen erstmals mehr Fleisch als die Industriestaaten. In den vergangenen Jahrzehnten war das Bevölkerungswachstum der Treiber des erhöhten Fleischverbrauchs. Nun wird die Änderung des Lebensstils zum entscheidenden Faktor: Durch steigenden Wohlstand und Verstädterung verändern sich die Ernährungsgewohnheiten der Menschen dramatisch.

Pflanzliche Nahrung - vor allem Getreide, von dem die Menschen lebten als sie noch am Land wohnten - nimmt dabei stark an Bedeutung ab, Fleisch wird dagegen immer wichtiger. In Zahlen: Der Pro-Kopf-Konsum wächst laut dem Bericht in Schwellen- und Entwicklungsländern im nächsten Jahrzehnt um ein Sechstel auf 28,9 Kilogramm an. In den Industrieländern bleibt er bei rund 70 Kilo konstant. Das hat für die weltweite Landwirtschaft Konsequenzen. Für die Tierzucht werden immer größere Mengen an Getreide, Ölsaaten und Eiweißpflanzen benötigt. Dabei handelt es sich nicht um eine bloße Verdrängung von pflanzlichen durch tierische Lebensmittel. Vielmehr wächst der Futterbedarf exorbitant: Für die Produktion einer Kalorie Rindfleisch sind rund zehn Kalorien Getreide nötig.

Für Länder, die schon jetzt Probleme mit der Ernährung ihrer Bevölkerung haben, wird die Lage dadurch prekär. Hauptbetroffen sind die ärmsten Entwicklungsländer, vor allem die afrikanischen Staaten südlich der Sahara. In den Augen der Studienautoren reicht die Produktivitätssteigerung in der dortigen Landwirtschaft nicht aus, um die zunehmende Nachfrage nach Lebensmitteln befriedigen zu können.

Je höher die Abhängigkeit von Nahrungsmittel-Importen ist, desto stärker ist ein Staat ökonomischen Schocks - wie Schwankungen der Weltmarktpreise und der Wechselkurse - ausgeliefert.

Auch die Umwelt ist von der wachsenden Fleischlust akut bedroht. Der Großteil der Fleischproduktion findet mittlerweile in Großbetrieben statt, wo die Tiere zu Tausenden quasi industriell gemästet werden. Der anfallende Mist kann aber als Dünger kaum mehr in eine naturnahe Kreislaufwirtschaft zurückgeführt werden und vergiftet das Grundwasser.